Face Music - Archaelogy - Eurasia & Central Asia


Archäologische Funde der Steppenkulturen - Burials and Mound




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P & C December 1998
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Hügelgräber und Kultstätten der Steppenkulturen

in German
Tujekta-Baschadar-Pasyryk-Kultur - Nordaltai
Beiram Mound im Altai-Gebirge – eine Kultstätte in der Nordwestmongolei
Rituale aus Tilla Tepe (in Nordafghanistan) – Der goldene Hügel
Tujekta-Baschadar-Pasyryk-Kultur - Nordaltai

Im 8. und 7. Jahrhundert v. Chr. bildete die Bevölkerung rund um den Altai (Südsibirien – Republik Altai, Tuwa und im Nordwesten der Mongolei) eine kulturelle und politische Einheit, genannt die „Altaiens“. In der ersten Hälfte des 6. Jahrhunderts v. Chr. fanden Veränderungen statt. Die südlichen Gebiete des Altais wurden zu einer Einheit mit Zentrum im nordöstlichen Raum und können der Tujekta-Baschadar-Pasyryk-Kultur zugeordnet werden. Ein bisher gepflegtes traditionelles Kunsthandwerk, Steinstelen mit Hirschmotiven („deerstones“) und Kheregsurs-Keramik („pottery“) verschwand nördlich der Sajan- und Altai-Region sowie in der Mongolei während des 6. Jahrhunderts v. Chr. Ein Auftreten von neuerem Kunsthandwerk könnte mit Einwanderungen dominierender Nomadenstämmen aus dem Raum Kleinasien Ende des 7. oder Anfang des 6. Jahrhunderts v. Chr. erklärt werden. Parallelen deuten auf eine Beziehung zwischen Eingewanderten im Altai und einer Gordion-Bevölkerung im anatolischen Raum hin. Gordion war die Hauptstadt des Phrygerreiches und lag südwestlich vom heutigen Ankara am Fluss Sangarios, heute Sakarya. Eine Elite dieser Zuwanderer stammte wahrscheinlich aus Gordion oder umliegenden Regionen und besetzte diese fruchtbaren Täler im Altai. Grabhügel befinden sich entlang einer zentralen Altairoute („Chuyskaya Road“), die von Osten nach Westen sowie von Norden nach Süden durch den Altai führt. Stämme aus Zentralasien oder Kleinasien brachten neues Kunsthandwerk mit, Töpfe mit hohem Hals, Steinweihrauchtassen, Zaumzeug mit Trensen, in Eisen geschmiedete und mit Goldeinlagen verzierte Waffen und Werkzeug, dessen Herkunft assyrischem Handwerk zugeordnet werden kann, Schmuck mit Darstellungen von Tieren (Löwen, Greifen, Fabeltieren etc. – siehe Schmuckplättchen) und Lotus-Motiven (siehe Ornamente 1 und 2 ). Auch Funde aus der ersten Hälfte des 6. Jahrhunderts v. Chr., Waffen und in Eisen geschmiedete Werkzeuge, deuten auf eine Verbindung zu Kleinasien hin. Eine militarisierte, stark zusammengehörige Gruppe formte eine neue Gemeinschaft und stellte eine neue Elite dieser hier bereits länger ansässigen gemischten Bevölkerung im 6. und 5. Jahrhundert v. Chr. Wahrscheinlich war ihr ethnogenetisches Bild noch viel komplexer als bisher beschrieben. Es bestanden Beziehungen zu im südöstlichen Kasachstan siedelnden Stämmen, zu weiter entfernten Regionen innerhalb dieses zentralasiatischen Raums und zu China. Die Archäologie und Geschichte dieser Region gilt es also noch gründlicher zu untersuchen. Gab es eine Seelenverwandschaft mit den hier eingewanderten Nomadenstämmen, die Nachfahren der Kimmerer (1) in Kleinasien sein könnten? Vermischten sie sich nach ihrer Ankunft mit den lokalen Maiemirstämmen, die zuvor dieses Gebiet besetzt hatten und eine eigenständige Kultur bildeten? Bestand die Pasyryk-Kultur vom 6. bis zum 4. Jahrhundert v. Chr. nur aus einer einzigen Elite?

  • (1) Kimmerer – Cimmerians: 8. und 7. Jahrhundert v. Chr.
    Ein indoeuropäisches Reitervolk, das griechischen Autoren wie Herodot zufolge am Kimmerischen Bosporus (heute: Strasse von Kertsch) zwischen der Krim und Südrussland und im nördlichen Kaukasus ansässig war. Aristeas von Prokonnesos erwähnt erstmals diese Nomadenstämme (Kimmerer), Bewohner der Steppen am Nordufer des Schwarzen Meeres. Die Kimmerer wurden von eindringenden Skythen aus ihrem Stammesgebiet verdrängt (8. Jahrhundert v. Chr.). Daraufhin drangen sie – der Meeresküste folgend – in Kleinasien ein. Einige Stämme kamen über den Kaukasus. Sie siedelten nun in Anatolien zwischen den Mannäern (Mannai – Königreich am Urmia-See) und den Medern (altiranisches Volk).

    – siehe weitere Informationen zur „Geschichte der Reiternomaden

Eine Stagnation in der Entwicklung fand zwischen dem 8. bzw. 7. und dem 6. bis 4. Jahrhundert v. Chr. statt und lässt sich anhand von Funden im Altai beobachten. Die Maiemirstämme (8. bis 7. Jahrhundert v. Chr.) waren innerhalb ihrer ethnischen Struktur heterogen und bestatteten ihre Toten in der Regel auf dem alten Friedhof oder in eher flachen Gräbern, deren Köpfe nach Nordwesten ausgerichtet waren. Grabbeigaben waren Tongefässe, Pferde wurde separat in Gruben neben den Menschen bestattet. Während dieser Zeit wurden Kontakte unter den Altaistämmen zwischen jenen in Zentralasien und jenen im Nahen Osten etabliert. In der ersten Hälfte des 6. Jahrhunderts v. Chr. entstanden neue Bestattungsformen, wie jene der Tujekta-Baschadar-Pasyryk-Kultur mit grossen und kleineren Grabhügeln (siehe zum Beispiel Grabhügel mit Grabkonstruktion). Eingewanderte Stämme brachten neue Riten und dürften Vorfahren dieser Pasyryk-Kultur sein. In Bestattungen waren ihre Köpfe nach Osten ausgerichtet, und erstmals wurden Waffen als Grabbeigaben gefunden. Menschen und Pferde wurden in der gleichen Grube bestattet, und Holzkonstruktionen bildeten einen geschützten Rahmen. Grabbeigaben waren auch Instrumente in Form von Schiffen mit einem hohen Hals (siehe Laute), Zaumzeug mit Backenstücken, Bestattungswagen (siehe Chariot), Schmuck und in Eisen geschmiedetes Werkzeug. Diese hatten Ähnlichkeiten mit dem Handwerk und den Grabbeigaben aus vorderasiatischen Grabfunden mit Tierstilmotiven (Animal Style). Anzumerken ist, dass Anthropologen im Altai erstmals europide Skelette, einen Typ aus dem Nahen Osten (Eurasien) entdeckten. Alles deutet aber darauf hin, dass keine kulturellen oder genetischen Verbindungen zu früheren Altai-Kulturen bestanden. Es gibt jedoch Ähnlichkeiten zu den Gordion-Grabhügeln (Tumuli), die in der Türkei, im Südwesten von Ankara gefunden wurden. Diese Grabhügel weisen Parallelen zu den Altai-Grabhügeln auf und dürften von diesen zugewanderten Stämmen aus dem 6. Jahrhundert v. Chr. stammen. Aus Holz geschnitztes Kunsthandwerk im Tierstil (Animal Style) wurde mit Motiven von Hirschen, Löwen, Greifen und geometrischen Figuren gefertigt. Solche Motive waren sowohl in der Gordion-Kultur als auch im Altai gefunden worden. Es sollte erwähnt werden, dass der Bau der fünf grössten Pasyryk- Kurganen, die gefunden wurden, von 455 bis 406 v. Chr. erfolgte, also lange nach den grossen Grabhügeln in Baschadar und Tujekta, die zwischen 590 bis 570 v. Chr. errichtet wurden. Eine Zuwanderung von Nomadenstämmen, die durchaus Nachfahren dieser Kimmerer aus dem Nahen Osten sein könnten, ist somit naheliegend. Diese Stämme übernahmen die Herrschaft über diese indigene Bevölkerung im Altai irgendwann zwischen dem 6. und dem 4. Jahrhundert v. Chr. Anthropologen haben auf ein Vorhandensein eines europiden Menschentyps aus dem Nahen Ostens und im zentralasiatischen Raum hingewiesen, der Funden im Altai gleicht. Ein Auftauchen neuer Stämme könnte solche Veränderungen von bisher nicht gekannten Riten in der Altai-Region erklärbar machen. Zu Beginn des 6. Jahrhunderts v. Chr. haben Stämme der Medier und Lydier nach Kämpfen (zwischen 610 und 585 v. Chr.) die Kimmerer aus Kleinasien vertrieben. In dieser Zeit könnten sie über die eurasischen Steppen über Zentralasien und den Tien Shan in den Altai eingewandert sein.

- Weitere Informationen zum Animal Style (Tierstil) und Motive des frühen Shamanismus und zu Felszeichnungen und Motive des frühen Schamanismus

Schamanismus, entstand in einem Umfeld, in dem menschliches Bewusstsein auf andere Welten übertragen wurde. Der Ausdruck „Meditation“ mag ihn verständlich machen. „Seelen“ sind in jedem Individuum vorhanden, und ihre Funktion kann manipuliert werden. Die Natur wird im Animismus als beseelt betrachtet. Pflanzen, Tiere, Berge und Landschaften sind mit besonderen Kräften und Eigenschaften ausgestattet. Somit konnte jeder eigene Erfahrungen im Umgang mit diesen Kräften entwickeln und einen Ausgleich zwischen äusserer und innerer menschlicher Gemeinschaft schaffen, um Herr der Lage zu werden und mit unsichtbaren Kräften wie „Geistern“, „Ahnen“ etc. zu kommunizieren. Damit konnte man bei solchen von aussen einwirkenden Kräften die Gemeinschaft verteidigen. Man konnte andere aktive Kräfte in die Umgebung einbinden oder durch Rituale um Hilfe bitten, sie in zoomorphen Formen gefangen halten. Höhere Mächte wurden in den verschiedensten Formen und Eigenschaften gesehen. Äussere Kräfte oder die „Kunst der Wirklichkeit“ wird so repräsentiert.
In Zeiten vor der Erfindung der Metalle wurden Formen solcher Darstellungen nur selten aus langlebigen Materialien wie Stein oder Knochen hergestellt. Die Mehrheit solcher Hilfsrequisiten überlebte ihren Gebrauch nicht. Die Überzeugungen wandelten sich mit dem Erscheinen von sesshaften Gesellschaften und ihrem sozialen Aufstieg während der Metallzeiten. Besonders in „früheren“ Übergangszeiten zu einer Kriegeraristokratie verloren animistische Weltanschauungen an Bedeutung. Reichtum an Materiellem konnte nun durch Handel oder Krieg angehäuft werden und wurde zum dauerhaften Symbol einer neuen Macht in Form von aus Kupfer, Bronze, Gold und Eisen gefertigten Kunsthandwerk. Die baktrischen Handwerker aus der Bronzezeit galten als hervorragende Meister dieser Kunst und handelten dieses Kunsthandwerk mit der Indus-Kultur, dem Luristan, den babylonisch-assyrischen Staaten, aber auch mit den Saka, den Skythen, den Griechen und mit China. Applikationen mit zoomorphen Symbolen einer steinzeitlichen Vorstellung in der darstellenden Kunst wurden hergestellt, mit Raubtieren, Hirschen, Adlern, Eulen und andere Tieren. Sie wurden zum Schutz auf Kostümen, Waffen, Amuletten und Schmuck getragen.

- Weitere Informationen zum Schamanismus – Schmanisums (Tengerismus) in der Mongolei
- Weitere Informationen zum Schamanismus – Religion der Urvölker Sibiriens

Seelenverwandschaft mit den Kimmerern in Kleinasien – Während des 8. und 7. Jahrhundert v. Chr. entstanden in Kleinasien und dem Nahen Osten mehrere unabhängige Stadtstaaten und Reiche: Babylonien, Urartu, Phrygien, Lydien, Syrien, Palästina, Manna und Medien (siehe Karte). Diese Staaten führten ständig Krieg gegeneinander und wurden auch permanent vom Assyrischen Grossreich unterdrückt. Zusätzlich zu den Völkern dieser Region brachten relativ kleine Nomadengruppen aus dem eurasischen Raum, die hier im 8. und 7. Jahrhundert v. Chr. eindrangen, Unruhe: zunächst die Kimmerer, dann im 7. Jahrhundert v. Chr. die Skythen. Die Kimmerer und die Skythen, jeweils eigenständige ethnische Gruppen, werden in assyrischen und griechischen Schriften erwähnt. Diese Nomaden waren professionelle und mutige Krieger und wurden von altorientalischen Herrschern als Söldner rekrutiert und später von Griechen als Leibwächter oder Elitetruppen und auch für verschiedene Herrscher zur Erhaltung von Recht und Ordnung eingesetzt. Sie dienten auch als Grenztruppen, als Anknüpfungspunkte zu kleineren Stadtstaaten. Natürlich hatten die Kimmerer und die Skythen ihre eigenen Motive für ihre Söldnerrolle: Sie konnten sich auf Kosten reicher Herrscher etablieren und bereichern. Die Kimmerer zerstörten Urartu als Staat nicht ganz, aber sie schafften für kurze Zeit eine gewaltige Kraft im östlichen Kleinasien und waren aktive Teilnehmer in Kriegen gegen das phrygische Königreich. Gruppen von Grabhügeln (Tumuli) in Gordion und anderen Orten, waren zwischen 750 bis 710 v. Chr. errichtet worden. Grabbeigaben waren Pferdewagen (Chariots), Waffen aus Eisen und mit Holz ausgekleidete Gruben. Sie sind ähnlich wie jene aus dem 7. Jahrhundert v. Chr. im Altairaum. Wahrscheinlich waren die Kimmerer ursprünglich gleichberechtigt mit den phrygischen Herrschern und begannen ihre Führer (Häuptlinge) auch unter grossen Grabhügeln zu begraben. Mit solchen Hügelgräbern wurden umfassende phrygische, ionische und assyrische Bestattungsriten in Kleinasien etabliert. Die Kimmerer könnten sogar phrygische Baumeister zugezogen haben, die ihnen halfen, solche Grabanlagen und Konstruktionen zu errichten. Laut Beschreibungen aus Geschichten der Lydier drangen die Kimmerer und die thrakischen Stämme zu Beginn des 7. Jahrhunderts v. Chr. hier ein. Möglicherweise übernahm eine neue starke Dynastie in Lydien die Macht und besiegte die Kimmerer ca. 692 v. Chr. nach hartnäckigen und heftigen Kämpfen mit Unterstützung von Assurbanipal, dem assyrischen König. Die Lydier schickten dem assyrischen König zwei gefangene kimmerische Führer als Geschenk. Mitte des 7. Jahrhunderts v. Chr. besetzten die Kimmerer und die Skythen nochmals verschiedene Regionen innerhalb Kleinasiens, und auch die Konflikte unter ihnen bestanden weiterhin. Die Kimmerer lebten hauptsächlich in den westlichen Regionen von Phrygien (heutige Türkei). 679 v. Chr. kämpften sie gegen ihre Feinde, im Osten gegen die Assyrer, im Westen gegen die Lydier. Die Skythenbasen war weiter östlich in der Region, nahe dem See Urmia (im heutigen Iran) angesiedelt, häufig zusammen mit anderen nahöstlichen Staaten wie Manna und Medien. In einigen Konflikten unterstützten sie die Assyrer auch. Zwischen 650 bis 640 v. Chr. fielen die Kimmerer zweimal in Lydien ein. König Gyges wurde auf dem Schlachtfeld getötet. Zeitweise kontrollierten die Kimmerer einen grossen Teil der Region, die lydische Hauptstadt Sardes und Ephesus. Während der Regierungszeit des neuen lydischen Königs Ardis, eines Sohns von Gyges eroberten wiederum die Nomaden Sardis, mit Ausnahme der Stadt Burg (ca. 644 v. Chr.). Wahrscheinlich liegt es am Einfluss der Kimmerer in dieser Region, dass Kunsthandwerk im nomadischen Tierstil in Sardes und Ephesus gefunden wurde. Im Jahre 626 v. Chr. wurde Babylon befreit und kam unter assyrische Kontrolle, und um 616 v. Chr. erlangten die Babylonier die Vormacht unter der Führung von König Nabopalasar wieder. Kriege des babylonischen Königs mit den Assyrern waren von wechselndem Erfolg gekrönt. Etwa Ende des 7. bis Anfang des 4. Jahrhunderts v. Chr. ist die Geschichte durch die Bildung neuer mächtiger Stadtstaaten in Kleinasien und dem Nahen Osten geprägt. Medien im Osten und Lydien im Westen eroberten assyrische Gebiete. Diese neuen Mächte erachteten sich nun als stark genug, um eine neue Ordnung zu halten, und unternahmen Versuche, sich nicht weiter von den militanten Kimmerer- oder Skythenstämmen, ihren ehemaligen Verbündeten und nun Feinden, stören zu lassen. So bildeten die Meder ein Bündnis mit den Skythen und den Lydiern gegen die Kimmerer. Ende des 7. oder Anfang des 6. Jahrhunderts v. Chr. unter König Alyattes von Lydien konnten „die Kimmerer ins Exil nach Asien“ gedrängt werden (Herodot I, 16). Das Wort „Exil“ deutet darauf hin, dass die Kimmerer nicht vernichtet, sondern aus Kleinasien in andere Regionen vertrieben wurden. Ähnliche Kimmerergrabhügel wie jene von Gordion waren auch Vysokaya-Mogila-Gräber am Dnjepr in der Ukraine und die Tujekta-Baschadar-Kurgane im Altai. Alle kennen eine östliche Ausrichtung des Verstorbenen und das Auftreten von Holzkonstruktionen in der Grube, sie benutzten die gleiche Ornamentik für Tongefässe (siehe Töpferwaren) eine Bestattung mit Waffen wie Dolchen und Köchern mit Pfeilen, das Vorhandensein eines Diadems (Stirn- oder Kopfbinde) oder das Ausstatten der Wände mit Ton. Ähnliche Pfeilspitzen aus Kleinasien wurden auch in Transkaukasien, im nördlichen Schwarzmeerraum und in der Steppenregion Osteuropas gefunden. Im ersten Quartal des 4. Jahrhunderts v. Chr. herrschte eine „dunkle“ Zeit der Geschichte, wie ein Rückgang der Anzahl archäologischer Funde zeigt. Eines der wichtigsten Merkmale der Kimmererkrieger waren ihre hohen, spitzen Kopfbedeckungen (siehe Kopfbedeckungen, Kleidung und Altaifrau), die manchmal leicht nach vorne gebeugt waren. Kopfschmuck aus Fell wurde bei Ausgrabungen in Hügelgräbern auch im Ukok-Plateau (Republik Altai – siehe Karte des Ukok-Platea , Tujekta-Baschadar-Pasyryk und die Fotos: Wächtersteine und Steinkreise am Friedhof) entdeckt. Sie umfassen erweiterte Formen des Kopfschmuckes mit leicht gebeugtem oberen Ende und geschmückt mit Vogelkopfmotiven. In schriftlichen Quellen werden die Kimmerer auch mit den Amazonen in einem Atemzug genannt. Die Saken im Steppenraum zwischen Aralsee und Kaspischem Meer trugen ebenfalls solche spitzen Hauben wie auf dem Behistunfels-Relief (1) aus dem 6. Jahrhundert v. Chr. und wie jene in Persien von Polis (2) im 5. Jahrhundert v. Chr. Auch der Kopfschmuck mit Rüstung aus Gold vom Issyk-Kurgan war vom Aussehen her ähnlich wie der aus dem Ukok-Plateau und so soll auch der Kopfschmuck der Kimmerer gewesen sein. Mit ihren semantisch komplexen Pfeilspitzen und vier symbolischen Pfeilen mit blattförmigen Spitzen, waren sie ebenfalls charakteristisch für die Kimmerer aus der Anfangszeit und die Skythen. Es ist ziemlich wahrscheinlich, dass diese „Issyk-Goldrüstung“ (3) in der Tat von einer weiblichen Amazone stammen könnte.

  • (1) Behistun ist ein geschnitztes Relief, eine königliche Proklamation an Darius I auf dem grossen Felsen, dem „Berg der Götter“, um seine ersten Siege zu feiern, mit denen er die Macht übernahm und die Festigung des Reiches begründete.
    Es ist in eine Felswand etwa 100 Meter über dem Boden entlang der Strasse nahe der Stadt Bisotun zwischen den modernen Städten Hamadan (Iran) und Bagdad (Irak) geätzt. Ursprünglich auf der Handelsroute zwischen Babylon und Susa erstellt.

  • (2) Die Polis (der Stadtstaat) wurde die beherrschende Staatsform. Der Adel, der zunächst noch kein Geburtsadel war, gewann an Einfluss, und gleichzeitig wurde dadurch die Königsherrschaft immer mehr zurückgedrängt und verschwand grösstenteils. So traten unter anderem verstärkt Oligarchien auf, während in anderen Stadtstaaten die Bevölkerung stärker an der Regierung beteiligt war. Die entwickelte Demokratie, wie auch das Prinzip der Isonomie, der Rechtsgleichheit entstand jedoch erst in der klassischen Zeit.
    Seit der Entstehung der Polis im Altertum und wegen der grossen Zahl an Neugründungen im Hellenismus blieb die Mittelmeerwelt über Jahrhunderte hinweg städtisch geprägt, obwohl die Mehrheit der Menschen auf dem Land lebte (denn in der Regel waren auch die meisten Landbewohner Bürger oder Abhängige einer Polis). Das Römische Reich stützte sich gerade im Osten in hohem Masse auf die nun nur noch halbautonomen Poleis, die in der Spätantike vielerorts einen langsamen Niedergang erlebten. Im sechsten Jahrhundert scheiterten letzte Versuche, die Position der Städte zu stärken, und die islamische Expansion des 7. Jahrhunderts führte endgültig zum Untergang der meisten Poleis. Im Byzantinischen Reich wandelten sich die meisten Städte von der Polis in ein befestigtes, vergleichsweise oft sehr kleines Kastron (byzantinische Festungsstadt).

  • (3) Altyn Adam: Seit dem 7. Jahrhundert v. Chr. finden sich im Gebiet von Almaty kulturelle Spuren von Saken und Usunen. Das bekannteste und interessanteste Zeugnis der sakischen Kultur ist der sogenannte „Altyn Adam“, der „Goldene Mensch“ vom Issyk-Kurgan bei der Stadt Issyk ca. 50 km östlich von Almaty. Hierbei handelt es sich um eine vollständig erhaltene, reich verzierte Rüstung aus Gold.

Grosse Entfernungen zwischen Orten mit ähnlichen Bestattungsritualen und ähnlichem Kunsthandwerk – von Anatolien in der Türkei bis zur Altairegion ca. 4000 km – waren im Prinzip keine ununüberwindbarne Barrieren. Schon damals gab es eine gut funktionierende Handelsroute. Die Nomaden durchwanderten solche Distanzen innerhalb von ein-zwei Jahren. Historisch sind ausgedehnte Marschrouten mit Herden von 5000 bis 6000 km bekannt. Während des 4. Jahrhunderts v. Chr. hatte auch Alexander der Grosse, ein Mazedonier, mit seinen Heeren solche Distanzen bis nach Indien überwunden. Die Mongolen eroberten im 13. Jahrhundert n. Chr. Strecken bis zur ungarischen Steppe und kontrollierten diese auch.
Unter Nomaden wird eine Bevölkerung verstanden, deren wirtschaftliche Basis die Haltung von Tieren ist, mit denen sie im Steppengürtel von Weide zu Weide wandern (siehe Karte von Grasland). Sie hatten vor allem Rinder, Schafe, Ziegen und Pferde, auch Kamele und in höher gelegenen Regionen Yaks. Mit Pferden und mobilen Unterkünften zogen sie und ihre Tiere zu saisonalen Weiden. Unter normalen Bedingungen blieben sie in naher Umgebung von Siedlungen und suchten zwischen Frühling, Sommer und Herbst die Weiden auf. Zur Überwinterung kehrten sie Jahr für Jahr wieder zurück. Sie bewegten sich nur weiter, wenn es notwendig war, um neue Futterplätze für die Herden zu finden. Der Aufbruch, um nach weiter entfernten Weiden zu suchen, wurde durch starke Bevölkerungszunahme, Klimaveränderungen oder Stammeskriege verursacht. Oft bewanderten sie die gleichen Plätze, es wurden Hütten in höher gelegenen Weiden und in tiefer geschützten Tälern gefunden. An der Rückkehr zu Winterweiden änderte sich kaum etwas. Sie überwinterten in kleineren Gruppen von drei bis sieben Jurten (Filzzelten). Sie lebten in solchen transportablen Zelten das ganze Jahr, aber die Winterquartiere lagen jeweils in einem tieferen Flusstal, das auch eine typische ständige Wohnstätte gewesen sein könnte, wo Angehörige von Clans sich ganzjährig in Holzhäusern aufhielten. Die Bergkasaken (Karakirgisen), die Altaier (Oirad oder Dzungaren) und die Mongolenstämme pflegten diese Praxis des Nomadentums im Altai-Gebirgsraum bis in die Neuzeit. Erst mit der russischen Eroberung Sibiriens änderte sich etwas daran.

Beiram Mound im Altai-Gebirge – eine Kultstätte in der Nordwestmongolei
Ein Steinhügel am Beiram-Bergpass im Uvs Aimag dürfte Grabhügeln der Sakastämme ca. 450 bis 400 v. Chr. zugeordnet werden können, die den südlichen und östlichen Teil Kasachstans sowie das Altaigebirge (Teilautonome Republik Altai) im Süden Sibiriens besiedelten. Sie bauten Bestattungshügel innerhalb der Permafrostzone (siehe Skizze 1 und 2). Ihre klimatischen Bedingungen variierten stark vom sibirischen Tiefland im Norden bis zum trockenen Süden der Wüste Gobi, vom niedrigen Steppengras im Osten bis hinauf zu den Gletschern des hohen Altai im Westen. In Ausgrabungen am Beiram Mound wurden keine menschliche Überreste gefunden. Eine Grabstätte, in der mehr als 4000 Kunstgegenstände lagerten, lässt vermuten, dass es sich hier um eine Gedenkstätte für rituelle und religiöse Kulte handelte. Weitere solche Orte können im Altai und dem Tien Shan Gebirge auch den später eingewanderten Skythen zugeordnet werden. Der Begriff Saka für die grossen nomadisierenden Stammeskonföderationen, die im Gebiet am Aralsee in den östlichen Steppen, im südlichen Sibirien und im Tien Shan Gebirge oder im Sayan-Altai-Gebirge siedelten, dürfte aus alten Quellen stammen. Der Begriff Saka-Kultur wird allgemein in Bezug auf archäologische Funde von Nomaden in der Eisenzeit verwendet. Ebenso kursieren Bezeichnungen wie: Skythosibirier, Altai-Skythen, Uyuk-Kultur, Chandman-Kultur oder Ulaangom-Kultur. Kurgane waren Grabhügel mit menschlichen Überresten; Kenotaphe oder Mounds sind Grabhügel ohne menschliche Überreste. Sie waren Gedenkstätten für rituelle und religiöse Kulte und waren ähnlich konstruiert.
Einflüsse durch Interaktionen innerhalb der Stammeskonföderation oder durch Zuwanderungen von Stämmen haben Veränderungen geschaffen. Dies ist in der zentralen Nordmongolei im Tal der Selenge (Zufluss des Baikalsees) zu erkennen. Historisch und kulturell ist der nördliche und nordwestliche Teil der Mongolei dem benachbarten Gorno Altai (Teilautonome Republik Altai), Tuwa und Transbaikalien (Region östlich des Baikalsees) ähnlich. Obwohl deren Höhenlagen und schwankende Temperaturen keine günstige Bedingungen für eine Entstehung von sesshaften Siedlungen mit Viehzucht und Ackerbau bot, war mit saisonalen Weiden eine so genannte Alpenwirtschaft möglich, wie sie bereits im Neolithikum und in der frühen Bronzezeit existierte. Ein Nomadentum mit Herdenwanderungen entstand erst in der späten Bronzezeit und frühen Eisenzeit, vermutlich trugen ein starker Bevölkerungszuwachs und haben eine Klimaveränderung dazu beigetragen. Die frühe Rinderzucht in der Mongolei stammt aus der Jungsteinzeit und dem Beginn der Bronzezeit, wie Funde von Überresten von domestizierten Schafen und Rindern am Selenge-Fluss aufzeigen. Viehzucht und Ackerbau herrschten Ende des dritten und frühen zweiten Jahrtausends v. Chr. in der Minusinsk-Hochebene (Minusinsk Basin) und im Gorno Altai (Teilautonome Republik Altai) in Südsibirien sowie an Ost- und Westhängen des Hangai-Gebirges in der Mongolei vor.
Viehwirtschaft und Metallverarbeitung waren in der Bronzezeit weit besser entwickelt, betrieben wurden sie von einer
Seima-Turbino-Gemeinschaft (1), wie Ausgrabungen aus der Mitte des 2. Jahrtausends v. Chr. zeigen. Waffen mit dekorativen Motiven kamen auch im Zusammenhang mit der Karasuk-Kultur (2) in der Umgebung von Minusinsk im südlichen Sibirien sowie in der Zhou-Dynastie (3) in China vor. Aus einer Übergangszeit von der Bronze- zur frühen Eisenzeit fand man „olenniye kamni“ (siehe Foto) in der Zentralmongolei im Arkhangai Aimag: monolithische Stein-Stelen mit einer Vielzahl von Motiven. Stilisierte Hirsche („deerstone“ – siehe Hirschsteine vom Ukok-Plateau) die aus der Zeit zwischen 1000 bis 800 v. Chr. stammen. Diese Steine waren nicht mit einer bestimmten Kultur verbunden, noch waren ikonographische Motive ähnlich solchen aus nachfolgenden nomadischen Gesellschaften aus der frühen Eisenzeit zu erkennen. Eine weite Verbreitung solcher Steine war in der Region von Tschita (Chita) nahe der mongolischen Grenze, östlich des Baikalsees, in Transbaikalien zu finden. Solche Grabsteine (Stelen) für Gräber waren auch in Tuwa, in der den Saka-Kurganen ähnlichen Uyuk-Kultur, im Gorno Altai und in der westlichen Mongolei gefunden worden. In Sibirien folgte nach der Karasuk-Kultur (späte Bronzezeit) die der Plattengräber Kultur – Slab Grave Culture (4). Ihre Tradition, im Kunsthandwerk mit Verzierungen und einem Bronzeguss, der übermalt wurde, hatte überlebt (siehe auch „Ornamentik der Jakuten“). Die Plattengräberkultur gehörte zu einer Gruppe, die Nordzentral- und die Nordostmongolei besiedelte, und ihre Gräber waren identisch mit denen in Transbaikalien. In der westlichen Mongolei sind diese im Uvs Aimag entlang der östlichen Flanken des Altai Gebirges ebenfalls gefunden worden. Auch im Bayan Ulgii Aimag, der höchsten und westlichsten Region der Mongolei in der Tsengel und in Ulaanhus fand man solche Plattengräber; auch südlich vom Achet Nuur (See), in einer Schneise die von Ost nach West verläuft und etwas nördlich der Siedlung von Ulgii lag. Interessanterweise sind solche Plattengräber nicht im Gorno Altai oder in Tuwa gefunden worden, wohl aber im westchinesischen Xinjiang im Chinesischen Altai und in Tibet. Schädel, die in Bestattungsstätten gefunden wurden, hatten mongoloide und europide Formen und zeigen Parallelen zu Schädeln und Grabbeigaben wie denen der Karasuk- und der Okunewo-Kultur im südlichen Sibirien, in Tuwa und der Usun-Saka (5) wie auch zu Gräbern in Kasachstan, Kirgisien und dem Tien-Shan-Gebirge. Während dieser Zeit praktizierten Hirtennomaden einheitliche Bestattungsrituale. Verstorbene wurden in der Plattengräberkultur im Boden in Gruben oder Steinboxen in Rückenlage beerdigt und nach Osten ausgerichtet. Keramik, Bronzemesser, Waffen, geschnitzte Gegenstände aus Knochen oder Horn, persönlicher Schmuck wie Türkissteine, Karneol (Mikrokristallin) und derlei Kunsthandwerk waren die Grabbeigaben. Nach einer Beisetzung wurde das Gelände mit flachen Steinen in eine aufrechte Position gebracht und markierte damit wie ein Zaun die Position des Grabes. Die Oberfläche wurde mit mehreren Platten bedeckt. In der Zeit vor Beginn des ersten Jahrtausends v. Chr., entwickelte eine ethnisch-kulturelle Gruppe, die im Norden der Mongolei, in der benachbarten Region Altai und im Sajan-Gebirge siedelte, Gräber ähnlich denen der Pasyryk-Kultur im Gorno Altai, im Ukok-Plateau und in Tuwa. Das einzige bisher gefundene Gräberfeld, das einer frühen Eisenzeit zugeordnet werden kann, befand sich in der westlichen Mongolei im Uvs Aimag im Einzugsgebiet des grossen Uvs Nuur (See) in den Hügeln am kleinen Chandman (Berg) etwa 10 km südlich von Ulaangom entfernt. Bearbeitungen von Knochen, Bronze und Eisen und eine Reihe von Keramikgefässen mit Ornamenten wurden gefunden, ausserdem gut erhaltene Gräber mit Skeletten in Steinboxen. Felszeichnungen in der Nähe des Chandman deuten auf die Anwesenheit von Hirtennomaden aus der Eisenzeit hin. Kunsthandwerk in Bestattungen der späten Uyuk-Kultur wurde im Nordwesten der Mongolei und in Tuwa gefunden, doch sind diese grundverschieden von denen der Plattengräberkultur. Somit lassen sich in der westlichen Mongolei während des ersten Jahrtausends v. Chr. zwei Bestattungsformen mit verschiedenen Ritualen und anthropomorphen (menschenähnlichen) Darstellungen erkennen. Diese Bewohner hatten Kontakte untereinander, vor allem aufgrund der nomadischen Lebensform, und sie teilten einige kulturelle Elemente, einschließlich von skythischen dreilappigen Pfeilspitzen, Reitergeschirr und Motiven im Tierstil (Animal Style).

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Weitere Informationen zum Animal Style (Tierstil) und Motive des frühen Shamanismus und zu Felszeichnungen und Motive des frühen Schamanismus
Im südsibirischen Altai sind die Ak-Alakha-Kurgane in Grösse und architektonischer Gestaltung diesem Beiram Mound ähnlich, auch sie sind mit einem Ring aus Steinen eingezäunt. Ähnliche Kurgane sind auch in der Region Issyk (60 km nordöstlich von Almaty) im Süden Kasachstans vorhanden. Alle diese Bestattungen werden auf die frühe Eisenzeit datiert. Grabstätten und Stelen von Turkstämmen aus dem 6. bis 8. und 9. Jahrhundert n. Chr. entstanden. Ebenso zahlreich wurden sie im Altai-Gebirge gefunden, das westlich des Beiram Mound im Uvs Aimag und auch in den Steppen westlich des grossen Uvs Nuur (See) in der Mongolei gelegen ist. Mit der bisher besprochenen Saka-Kultur aus der Bronze- und Eisenzeit haben sie aber nichts zu tun. Grabstätten mit einer ähnlichen Architektur und Konstruktion fand man im ersten Jahrtausend v. Chr., und sie können allgemein den Saka-Kurganen (Grabhügeln) zugeordnet werden. Diese wurden ausschliesslich für rituelle oder religiöse Zwecke errichtet. Die Gruben wurden mit organischem Material und Ritualobjekten gefüllt. Grosse Felsbrocken wurden zu den Gruben gebracht und sorgfältig über die gesamte Fläche wie ein Zaun angelegt. Aufgrund der Menge an Humus an solchen Stellen scheint es, dass Spatenstiche unter Bäumen vorgenommen, Oberflächensteine gesammelt und Schicht um Schicht abwechselnd gelagert wurden. Eine umfangreiche Menge an Holz wurde verarbeitet oder zu Motiven geschnitzt. Späne wurden im Gräbern gefunden. Solche aus Holz geschnitzten Tiere und anderes Kunsthandwerk wurde als Votivgaben (6) klein in Agalihörner, Tierknochen und Pferdezähne geschnitzt. Es ist nicht klar, wer im Beiram Mound seit Jahrhunderten solche Rituale abgehalten hatte. Es scheint aber, gemessen an der Menge der Agaliknochen und anderer tierischer Überreste, dass diese Frühnomaden sehr wohlhabend waren. Im 17. Jahrhunderts n. Chr. müssen die Mandschu (7), die hier entlang der unteren Hänge siedelten, diese isoliert in der Höhe liegenden Kurgane aufgesucht haben, oder wer hätte sonst schon mit Getreide gefüllte glasierte Vasen hierhin gebracht? Und woher kommen diese Feldsteine? Gefunden wurde ein Stück Bambus mit einer mit schwarzer Tinte verfassten Inschrift, einer Übersetzung aus dem Altmongolischen. Die Inschrift wurde ca. 1648 von Naikhaijamtsam verfasst, einem buddhistischen Lama, der im Jahre 1599 in der westlichen Mongolei geboren war. Objekte aus Eisen wurden noch reichlicher gefunden als Bronze. Sie wurden möglicherweise vor Ort hergestellt, da etwa 2 bis 3 km nordöstlich der Ausgrabungsstätte eine Eisenhütte gefunden wurde, die im Talboden lag. Bei Ausgrabungen fand man keine Artefakte, obwohl grosse Mengen Schlacke unterhalb der oberen Humusschicht vorhanden war. Der Beiram Mound diente sicher einer Form von Bestattungsriten und vermittelt somit ein frühnomadisches Glaubenssystem mit Kultstätte.
  • (1) Seima-Turbino-Typ bezeichnet Grabstätten um 1500 v. Chr., die in Nordeurasien, von Finnland bis in die Mongolei, gefunden wurden. Begraben wurden nomadische Krieger und Metallarbeiter, die mit Pferd oder mit zweirädrigen Wagen reisten. Diese Nomaden stammen ursprünglich aus dem Altaigebirge. Obwohl sie Vorläufer der viel späteren mongolischen Angreifer waren, hatte diese Gruppe noch nicht die Stärke, Siedlungen der Bronzezeit anzugreifen.

  • (2) Die Karasuk-Kultur (nach dem Karasuk, einem Nebenfluss des Jenissei) war etwa gegen Ende des zweiten vorchristlichen Jahrtausends am mittleren Jenissei, in der Umgebung von Minusinsk im heutigen Chakasien in Südsibiren verbreitet. Die Siedlungen umfassten meist weniger als zehn Grubenhäuser, die um einen zentralen Platz angeordnet waren. Es lässt sich nicht ausschliessen, dass die Siedlungen teilweise nur saisonal benutzt wurden. Die Wirtschaft war vermutlich von Viehzucht dominiert; das zeigen Tierknochenfunde aus Siedlungen. Funde in Siedlungen deuten zudem darauf hin, dass auch die Bronze- und Kupfermetallurgie bekannt war.

  • (3) Während der Zhou-Dynastie (Tschou – 1046 bis 256 v. Chr.) erreichte in China die Verwendung von Eisen, die die chinesische Bronzeware verdrängt hatte, ihren Höhepunkt. Die Dynastie umfasst auch den Zeitraum, in dem die Schrift in seiner modernen Form zum Einsatz kam, die sich aus einer archaischen klerikalen Schrift entwickelte.

  • (4) Eine Plattengräberkultur ist in der späten Bronze- und frühen Eisenzeit archäologisch erwiesen. Verschiedenen Quellen zufolge wird diese auf 1100 bis 300 v. Chr. datiert. Siedler der Plattengräberkultur sind Nachkommen der Bronzezeit (18. bis 13. Jahrhundert v. Chr.). Sie wird auch Glazkow-Kultur genannt wie die frühen Tungusenstämme und war in der Baikalregion verbreitet. Die Glazkow-Tungusen kamen aus dem Süden nach Sibirien und sind von den Jukagirstämmen verdrängt worden. Die Plattengräberkultur war der östliche Flügel einer riesigen eurasischen Nomadenwelt, die ihren Anfang im 1. Jahrtausend v. Chr. mit einer Zivilisation nahm und als Welt der Skythen und Sibirier bekannt ist. Der anthropologische Typus der Bevölkerung war überwiegend mongoloid, ihre westlichen Zuwanderer aus dem Bereich von Tuwa, im Gorno Altai und der nordwestlichen Mongolei waren kaukasischen Typs (europid).
    Denkmäler der Plattengräberkultur wurden in Nordwestchina, im Norden und Nordosten der Mongolei und im Süden sowie im zentralöstlichen und südlichen Baikalgebiet gefunden. Diese Gräber wurden zaunförmig mit rechteckigen, vertikalen Platten aus Gneis oder Granit markiert (Steinkurgane innerhalb des Steinzaunes). Gefunden wurden Siedlungen, Begräbnisstätten und Ritualplätze, Felsmalereien, Hirschsteine und andere Überreste. Die Plattengräber lagen sowohl einzeln als auch kollektiv in Gruppen von 5 bis 8 grossen Gräbern mit bis zu 350 Zäunen vor. Grosse Friedhöfe haben eine klare Struktur. Im Bezirk Aga Buryat wurden mehr als 3000 Zäune gefunden. Die meisten der Gräber sind Grabstätten, man fand auch einige rituelle Stätten – Kenotaphe, also leere Gräber. Gräber sind entlang einer West-Ost-Achse ausgerichtet. Die Verstorbenen liegen mit dem Kopf nach Osten auf dem Rücken. Das Schicksal der Menschen der Plattengräberkultur („Slab Grave Culture“) ist Gegenstand des wissenschaftlichen Diskurses. Neueste Gräber stammen aus dem 6. Jahrhundert v. Chr., und die frühesten Denkmäler der nächsten Epoche, der Hunnenkultur gehören ins 2. Jahrhundert v. Chr. Die Lücke umspannt nicht weniger als drei Jahrhunderte, und die Denkmäler, die diese zeitliche Lücke zu füllen hätten, sind unbekannt.

  • (5) Die Usun-Nomaden lebten während der Saka-Zeit. Eine dichte Interaktion zwischen den Saka und den Usun im Süden Kasachstans und mit den Menschen in der Xinjiang-Region und dem Tien Shan sind deutlich. Die Gräber der Usun-Elite im Tien-Shan-Gebirge und die vielen im Xinjiang in China liegenden sind denen der Saka ähnlich.

  • (6) Eine Votivgabe (von lat. „votum“: „Gelübde") ist der künstliche oder natürliche Gegenstand, den der Votant gemäss einem Gelübde (ex voto) an heiliger Stätte als Zeichen des Dankes für die Rettung aus einer Notlage darbringt. Vom Gebet unterscheidet sich die Votation durch das Versprechen und die anschließende Darbringung einer Gabe. Der Vorgang gleicht einem Rechtsakt: Erfüllt die eine Seite die Bitte, muss die andere ihre Leistung in Form eines Votivs erbringen.

  • (7) Die Mandschu, die China von 1644 bis 1911 regierten, waren Nachfahren der Jurchenstämme, die im nördlichen China in der Qing-Dynastie im 12. Jahrhundert regierten.

    – siehe weitere Informationen zur „Geschichte der Reiternomaden
Rituale aus Tilla Tepe (in Nordafghanistan) – Der goldene Hügel
Tilla Tepe: Überreste eines antiken befestigten zoroastrischen Feuertempels, der im zweiten Jahrtausend v. Chr. erbaut wurde. Neben der Keramik gibt es einige Messer und Pfeilspitzen aus Bronze. Der Ort scheint lange bewohnt gewesen zu sein, ohne dass genaue Jahreszahlen genannt werden können. Kulturell lässt sich diese Festung mit anderen archäologischen Orten in Zentralasien vergleichen. Die hier gefundene Kultur gehört in die Zeit nach dem Untergang der Oasenkultur (1) Zentralasiens.
  • (1) Als Oasenkultur (auch Oxus-Kultur oder Oxus-Zivilisation, nach dem antiken Namen des zentralasiatischen Amudarja-Flusses) wird eine bronzezeitliche Kultur in der Wüste Karakorum im heutigen Turkmenistan und Teilen Afghanistans bezeichnet. Sie existierte vermutlich zwischen 2200 und 1700 v. Chr. in etwa zeitgleich mit der Indus-Kultur, dem Reich Elam in Mesopotamien und dem Mittleren Reich in Ägypten. Das Verschwinden der Oasenkultur ist nicht genau geklärt, wurde aber vermutlich durch klimatische Veränderungen verursacht, die eine Abwanderung zur Folge hatten.

Die drei Leben im Tempel – die Priesterinnen, die Krieger-Priesterin und der Kammer-Krieger-Priester wurde mit orgiastischen Kulten gefeiert.

Der Feuertempel Tilla Tepe war dem „Priesteradel“ gewidmet, der wahrscheinlich Vertreter der Götter repräsentierte und in dieser höchsten Position kultische Rituale bewahrte. Die thrakische Bendis-Ikonographie zeigt Darstellungen, wie sie mit Krieger-Priesterinnen verbunden waren, die weit im Osten in der kasachischen Steppe in Sarmaten und Saka Kurganen mit Waffen und Requisiten begraben waren. Diese Indoiraner waren in dieses Glaubenssystem des
Synkretismus (1) von Ost und West integriert, sie waren einem Weltbild zugetan, das auch im Baktrischen Reich zelebriert wurde. Wahrscheinlich wurden orgiastische Rituale (2) vollführt, die mit der anatolischen, der griechischen und der römischen Kultur verglichen werden können. Götter und Ahnen wurden in Tempeln von Transvestiten, Zwittern und Priesterinnen kultisch verehrt, die ihr Priesteramt auch mit orgiastischen Ritualen auslebten. Das Zusammenleben fand entweder als Reaktion auf göttlichen Befehl oder aufgrund von magischen Gegebenheiten statt, um Prestige vor den Göttern und der Bevölkerung zu erlangen. Später kamen kultische Komponenten aus dem Altai und dem Tien Shan durch zugewanderte Kuschana-Stämme (einen Stamm der Yuezhi-Konföderation) hinzu. Daher wurden auch schamanistische Formen praktiziert und Riten aus dem südlichen Ural übernommen. Man teilte sich Rituale mit den am Don wirkenden Priesterinnen und Krieger-Priesterinnen der Sauromaten- und Sarmatenstämme. Solche synkretistischen kultischen Glaubensvorstellungen sollten nicht überraschen, da die Tilla-Tepe-Menschen letzte Nachkommen einer nomadischen Konföderation waren, die nach Westen in den baktrischen Raum einwanderten. Sie stiessen auf Reste des Seleukidenreiches (3) und übernahmen Riten von dort.

  • (1) Synkretismus bedeutet die Vermischung religiöser Ideen oder Philosophien zu einem neuen Weltbild. Man nimmt die Aspekte unterschiedlicher Religionen bewusst auf und formt sie zu etwas Neuem.

  • (2) In mythologischen Zeiten wurde das Lustbedürfnis regelmässig in Gestalt des kultischen Festes mit seinen orgiastischen Ritualen ausgelebt.

  • (3) Das Seleukidenreich gehörte zu den Diadochenstaaten, die sich nach dem Tod Alexanders des Grossen gebildet hatten. Während des 3. und 2. Jahrhunderts vor Christus beherrschte das Reich den Vorderen Orient und erstreckte sich in seiner grössten Ausdehnung vom europäischen Thrakien bis zum Industal.
    Als Amtssprache des Seleukidenreiches fungierte auf der höchsten Verwaltungsebene Griechisch, darunter aber vor allem das von den Achaimeniden übernommene Aramäisch. Im Osten wurden zusätzlich königliche Dekrete in den iranischen Sprachen verfasst. Die indigenen Völker sprachen aber weiterhin ihre eigenen Sprachen wie Akkadisch, Phönizisch oder Hebräisch. Sie nahmen allerdings während der Seleukidenherrschaft zahlreiche griechische Begriffe in ihren Wortschatz auf.
    Die Seleukidenkönige versuchten ihre Herrschaft über die zahlreichen Nationalitäten zum einen durch Hellenisierung und zum anderen durch einen dynastischen Kult abzusichern. Letzterer war ursprünglich für die verstorbenen Herrscher gedacht, wurde jedoch im zweiten Jahrhundert v. Chr. auch auf die lebenden Könige und ihre Familie ausgedehnt. Der Herrscherkult war in erster Linie politischer und nicht religiöser Natur. Er sollte die Seleukidenherrschaft im gesamten Reich sakral erhöhen und bot zudem den Mitgliedern der Dynastie leichten Zugang zu Priesterämtern für ihre verstorbenen Vorfahren. Neben dem Herrscherkult existierten unzählige weitere Religionen, die von den Seleukiden im Regelfall toleriert wurden.

In Raum Eurasien, in Indien, Korea, Afrika und Nordamerika trugen Wahrsager und Schamanen oft Frauenkleider und praktizierten so Bräuche und Rituale. Viele Wahrsager und Seher übten Rituale, die schamanistische Elemente enthielten, und wurden von ihren skythischen Herrschern, Königen oder Führern für politische Angelegenheiten oder zur Heilung von Krankheit eingesetzt. Es sind aus archäologischen Funden Beweise vorhanden, dass in der Pasyryk-Kultur von den Saka während der Rituale Halluzinogene in Form von Rauch eingeatmet wurden. Samen von solchen Pflanzen wurden in einem sarmatischen Grab gefunden. Spuren der Indoeuropäer haben solche schamanistischen Ideologien bestätigt. Die Osseten, Nachfahren der Alanen, Skythen und Sarmaten und andere im Kaukasus lebende Völker haben mythologische und religiöse Traditionen früher Nomaden beibehalten. Die wichtigsten Wahrsager und Seher im Kaukasus sind unter den Osseten heute noch zu finden. Junge Frauen oder Mädchen, die in Trance fallen, um die Toten in der Unterwelt zu begleiten, verkörpern dies, indem sie durch ihren Mund diese Geister reden lassen, sie bewahren den Kult der Mellutethenpriesterinnen.

Tilla Tepe wurde um 800 v. Chr. zur Ruine, wahrscheinlich durch einen Brand. Während der Herrschaft der Achämeniden (1) blieb die Festung verlassen. Alexander der Grosse begann um 330 v. Chr. mit dem so genannten Alexanderzug und der Eroberung des Achämenidenreichs bis zum indischen Subkontinent. Zurück in Baktrien heiratete er die sogdische Prinzessin Roxane. Im 4. Jahrhundert v. Chr. wurde der Ort wieder besiedelt. Es entstand ein kleines Dorf, das aber nicht lange bewohnt blieb. Einige Jahrhunderte später, im frühen 1. Jahrhundert v. Chr. wurde der Tempelhügel zur Grabstätte umgenutzt. Bei den sechs gefundenen Gräbern handelte es sich um Gruben, die mit Holzplanken abgedeckt waren und einen Hohlraum bildeten. Die Toten lagen in Holzsärgen, die keinen Deckel hatten, aber wahrscheinlich in Decken eingewickelt waren. Die Bestatteten wurden auf dem Rücken in kostbaren, mit Gold verzierten Gewändern und mit reichem Schmuck beigesetzt. Einige wenige weitere Beigaben, wie Gefässe, Spiegel oder Kosmetikutensilien, fanden sich in und neben den Särgen. Es gibt keine Anzeichen dafür, dass es weitere Grabhügel gab, doch mag der Hügel der Burgruine als Grabhügel gedient haben. Die Grabbeigaben gehören fünf Frauen und einem Mann. Zur Zeit ihres Todes war die Festung auf dem Hügel schon zerfallen, und die Gräber sind teilweise in die alten Mauern hineingegraben. Vieles spricht dafür, dass hier Nomaden oder ehemalige Nomaden beigesetzt wurden. Die Art der Gewänder (Hosen) und einige Waffen, wie zwei Bögen als Grabbeigabe des Mannes, sind typisch für Nomadenvölker. Auch eine zusammenklappbare und daher leicht transportierbare Krone war dabei. Welcher Volksgruppe die Bestatteten angehörten, konnte jedoch nicht genau festgestellt werden. In Frage kommen zum einen die Yuezhi, die laut chinesischen Quellen aus diversen Clans bestanden und in die Region eingefallen waren, zum anderen könnte es sich um Saken gehandelt haben, die zum skythischen Kulturkreis gezählt werden. Die Kuschana (2), ein Stamm der Yuezhi, drangen etwa zur gleichen Zeit wie die Saka in Baktrien ein, wobei sie sich allerdings eher in der weiter südlich liegenden Hindukuschregion sowie im Süden Afghanistans ansiedelten. Die reiche Ausstattung der Grabanlagen mit goldenen Plaketten auf den Gewändern, vergoldeten Hauben und vielen anderen Goldbeigaben ähnelt in der Tat sehr skythischen Bestattungen, die beispielsweise am Schwarzen Meer gefunden wurden. Indizien, die hingegen auf eine Zugehörigkeit zu den Yuezhi hindeuten, sind etwa der Fund einer Münze des Königs Heraios, welcher zu diesem Nomadenvolk gezählt wird. Zudem zeigen viele Grabbeigaben stilistische Ähnlichkeiten zu Arbeiten mit Motiven des Tierstils aus Sibirien und der Mongolei, woher die Yuezhi stammen. Man sah in diesen Bestatteten sogar frühere Herrscher der Kuschana, bei denen es sich ja um einen Clan der Yuezhi handelt. Andere sehen in ihnen dagegen wiederum Saken, die unter parthischer Herrschaft standen. Die neuere Forschung ist hier vorsichtiger.

Bis etwa 135 v. Chr. gehörte die Region Baktrien zum griechisch-baktrischen Königreich. Es handelte sich um einen antiken Staat des 3. und 2. Jahrhunderts v. Chr. Danach kamen die Baktren in den Herrschaftsbereich der Saken und Yuezhi, die als Eroberer aus Südsibirien und der Mongolei in das Gebiet einfielen. Sie zogen nach Westen ins Königreich, wobei sie auch Reste eines Seleukidenreiches unterjochten. Sie plünderten und zerstörten zahlreiche Städte und vernichteten das Königreich. Diese Nomaden, die von Teilen der Forschung zu den Skythen gezählt werden, siedelten sich schliesslich in Baktrien an und übernahmen eine städtische Lebensweise. In der folgenden Zeit kam das Gebiet in den parthischen Machtbereich, obwohl gerade die östliche Ausdehnung des Partherreiches in der Forschung umstritten ist. Über die Periode nach dem Untergang des griechisch-baktrischen Reiches ist wenig bekannt, sie gilt als dunkle Zeit Zentralasiens. Danach geriet das Gebiet in den Machtbereich der Kuschana, eines Clans der Yuezhi. Kurz nach Christi Geburt unter Kulula Kadphises schafften es die Yuezhi und die Sakenstämme sich unter dem von ihnen gegründeten Reich zu vereinigen. Die Gräber von Tilla Tepe datieren wahrscheinlich in eine Zeit kurz vor der Entstehung des Kuschanareichs, als die Yuezhi und Saken Baktrien beherrschten. Nach der Eroberung Baktriens wurde dieses kulturell und sprachlich assimiliert. So nahmen die Kuschana die baktrische Sprache, Kultur und sogar Religion an, jedoch ohne zu vergessen, dass sie die neuen Herrscher Baktriens sind. Später konvertierten auch einige Herrscher zum Buddhismus. So war der Herrscher der Kuschana, Kanischka, ein Zoroastrier. Das beweist der Fund eines zoroastrischen Feuertempels in Baghland, den Kanischka sich selbst gewidmet hatte. Die Kuschana errichteten ein Reich, das sich vom Aralsee bis zum westlichen China und nach Zentralindien erstreckte. Damit war Baktrien neben dem Sassanidenreich, dem Kaiserreich China und Rom das mächtigste Reich der damaligen Welt und gleichzeitig eines der höchstentwickelten. Baktrien wurde zum Zentrum von Wissenschaft, buddhistisch-hinduistischer Theologien und einer Weltwirtschaft. Auch die von den paschtunischen Taliban zerstörten Buddhastatue im Bamyan-Tal geht auf die Zeit der Kuschana zurück. All diese Leistungen waren sowohl durch die Seidenstrasse als auch durch die Popularität der Kuschana sowohl in Asien als auch in Europa bedingt. Mit dem Aufkommen der Sassaniden im Westen verschmolz die Kuschana-Zivilisation mit der der Sassaniden (das Sassanidenreich war das zweite persische Grossreich in der Spätantike). Baktrien war schon in der Antike für sein Gold und sein Kunsthandwerk bekannt. Die eigentliche Herkunftsregion des hier gehandelten Goldes war Sibirien.

  • (1) Das Achämenidenreich (auch als Altpersisches Reich bezeichnet) war das erste persische Grossreich. Es erstreckte sich vom späten 6. Jahrhundert v. Chr. bis ins späte 4. Jahrhundert v. Chr. über die Gebiete der heutigen Staaten Iran, Irak, Afghanistan, Usbekistan, Türkei, Zypern, Syrien, Libanon, Israel und Ägypten.
    Das Achämenidenreich expandierte erstmals 550 v. Chr. unter Kyros II. durch die Annexion des Mederreiches. Unter den Nachfolgern erfolgte die Fortsetzung bis zur späteren grössten Ausdehnung, die ihren Höhepunkt um 500 v. Chr. erreichte und zu dieser Zeit auch Teile der Staaten
    Lybien*, Griechenland, Bulgarien, Pakistan sowie Gebiete im Kaukasus, Sudan und Zentralasien umfasste. Im Jahr 330 v. Chr. setzte Alexander der Grosse die Herrschaft der Achämeniden ein Ende.

    * Libya: Damit war in der Antike das Land beiderseits der Grossen Syrte gemeint.
    Vom 7. Jahrhundert v. Chr. an wurden an der Küste Kolonien gegründet, darunter die Stadt Kyrene. Dieser Teil des Landes, die Kyrenaika, stand in den folgenden Jahrhunderten unter der Herrschaft Ägyptens. In dem sich westlich daran anschließenden Gebiet hatten die Phönizier etwa um 700 v. Chr. die drei Städte Sabratha, Oea und Leptis Magna gegründet - der Name Tripolitanien (Drei-Städte-Land) hat hier seinen Ursprung. Die drei Städte kamen bereits im 6. Jahrhundert v. Chr. unter die Vorherrschaft Karthagos. Nach dessen Zerstörung 146 v. Chr. geriet Tripolitanien unter römische Herrschaft, ca. 96 v. Chr.

  • (2) Kuschana (gelegentlich auch Tocharistan) war ein Reich in Zentralasien und Nordindien, das bei seiner grössten Ausdehnung zwischen 100 und 250 n. Chr. vom Gebiet des heutigen Staates Tadschikistan bis zum Kaspischen Meer und vom Gebiet des heutigen Afghanistan bis hinunter ins Industal und das Ganges-Yamuna-Zweistromland reichte. Das Reich wurde von den Indoskythen bzw. den Yuezhi aus dem heutigen Xinjiang gegründet. Es unterhielt diplomatische Kontakte mit dem Römischen Reich, dem sassanidischen Persien und dem Kaiserreich China. Unter Kanischka dürfte sich das Reich von Benares über Kaschmir und Baktrien bis an den Oxus (Amudarja) und im Süden bis in den Sindh (pakistanische Provinz) erstreckt haben.
    Unter der Herrschaft der Kuschan in Nordwestindien und den angrenzenden Regionen florierte ein Handel auf dem Seeweg und entlang der Seidenstrasse nach China sowie ein Handel mit Karawanen zwischen Europa und Asien. Der Name Kuschana stammt aus dem chinesischen Begriff Guischang, der in historischen Schriften für einen Zweig der Yuezhi verwendet wird, eine lose Konföderation der indoeuropäischen Gruppen, die im Nordwesten Chinas lebten, bis sie zwischen 176 bis 160 v. Chr von den Hsiung-nu (Xiongnu) vertrieben wurden. Um 135. v. Chr. erreichten sie Baktrien unter dem Führer Kujula Kadphises nachdem sie seit dem ersten Jahrhundert v. Chr. mit unterschiedlichen Stämme vereint wurden. Allmählich kontrollierten sie die Gebiete der Parther und zogen nach Süden in den Nordwesten in den indischen Raum vor, „Gandhara genannt“ (heute Teile von Pakistan und Afghanistan). Sie hatten in der Schrift eine Form des griechischen Alphabets verwenden, und Kujulas Sohn war der erste indische Herrscher.

    – siehe weitere Informationen zur „Geschichte der Reiternomaden
Kanischka, der König aus der Kuschana-Dynastie war der bedeutendste Herrscher der Yuezhi bzw. Tocharer, welche um Christi Geburt ein Riesenreich in Baktrien und Gandahara errichteten. Unter Kanischka erreichte dieser blühende Staat im beginnenden zweiten Jahrhundert seinen Höhepunkt, geprägt von iranischen, indischen und hellenistischen Einflüssen und ebenso vielen Göttern. Kanischka vergrösserte das Imperium nach Turkestan, Kaschmir und expandierte in Nordindien bis Benares. In Turkestan soll er die Kuschana-Oberhoheit wieder hergestellt haben. Der König huldigte zwar auch griechischen, brahmanischen und zoroastrischen Gottheiten. Ausser dem Buddhismus stand Kanischka auch dem Mithras-Kult nahe. Bei Surkh Kotal im heutigen Afghanistan stand ein grosser Feuertempel, ein Heiligtum, das auch dem Herrscherkult gewidmet war. Eine Reiterin auf einer Katze war symbolisches Motiv der Kuschana-Dynastie, wo sie als Göttin Nana oder Nanaia wieder aufgetaucht war. Der Mithraismus oder Mithraskult war ein zunächst in Kleinasien, später im ganzen Römischen Reich verbreiteter Mysterienkult. Der kleinasiatisch-römische Mithraskult weist in seiner Mythologie und religiösen Praxis deutliche Unterschiede zur indisch-persischen Mithra-Verehrung auf. Somit ist umstritten, ob sich der Mithrakult aus einer Seitenströmung des Zarathrismus oder eigenständig entwickelt hat.

Im 18. bis 17. Jahrhundert v. Chr. hergestellte Erzeugnisse in Baktrien (Nordafghanistan) und dem östlichen Iran in Stein oder Bronzefiguren.
Die Bronzefigur wurde in Wachs gegossen, und es wurden Amulette mit Naturerscheinungen hergestellt. Die Ornamente variieren: geometrische und pflanzliche Motive, viele Rosetten, obwohl zoomorphe Bilder (Götter in Tierform) von Skorpionen, Ziegen oder Adlern mit ausgebreiteten Flügeln ebenfalls reichlich vorhanden waren. Einige Darstellungen scheinen mythologischen Ursprungs zu sein, mit menschlichen Eigenschaften, aber mit Vögelfüssen. Mehrere anthropomorphe Darstellungen wurden höchstwahrscheinlich wie Amulette zum Schutz getragen. Zu den seltenen anthropomorphen Motive auf Siegeln, wie sie genannt werden, gehörte das Bild einer weiblichen Reiterin auf einer Katze oder einem Löwen. Ähnliches fand man auch in Syrien und Anatolien, wo im 7. und 6. Jahrhundert v. Chr. ein orgiastischer Kult herrschte, für
Kybele (1) und andere Göttinnen, die Transvestitenpriester unterhielten. Die Thraker, die zum anatolischen Raum Verbindungen pflegten, hatten auch orgiastische Rituale, und die skythischen Stämme kannten einen Kult ähnlich wie den der Kybele. Solche Rituale und Darstellungen waren eng mit den Göttern verbunden, die diese damaligen Menschen ehrten, und Fabeltiere beherrschten ihr Weltbild. Solche Darstellungen und ähnliche Motive sind auch den Hurritern im Mitannireich (3) zuzuordnen, wo solche Rollsiegel gefunden wurden. Einige der exotischen Ikonographien aus der Levante („Sonnenaufgang“ steht für den „Osten“ und das „Morgenland“) werden zum Markenzeichen von Ritualen mit Zugehörigkeit einer kleinen Gruppe, die im 1. Jahrhundert v. Chr. einen hohen Status in der indoiranischen Bevölkerung in Baktrien und den umliegenden Steppen hatte, deren Lebensstil kulturell aus nomadischen Ursprüngen entstand und nun in Tilla Tepe praktiziert wurde.
  • (1) Kybele, die grosse Göttermutter vom Berg Ida, ist eine Göttin, die zusammen mit ihrem Geliebten Attis ursprünglich in Phrygien (Kleinasien) und später in Griechenland und Rom verehrt wurde. Der Kybele- und Attiskult war bis in die Spätantike – ähnlich wie der Mithrakult (2) - ein im ganzen römischen Reich verbreiteter Mysterienkult.
    Kybele war die grosse Muttergöttin in Anatolien, im 7. Jahrhundert v. Chr. in Lydia. Sie war eine Göttin der Fruchtbarkeit, heilte oder verbreitete Krankheiten, erteilte Orakel und beschützte die Menschen im Krieg. Als Göttin der Berge war sie die Herrin der wilden Natur, die mit ihrem Begleiter, dem Löwen dargestellt wird. Bekannt wurde sie in Griechenland im 5. Jahrhundert. Die Römer hatten diesen Kult, und Ostpriester dienten ihr. Kybele ist in der Regel in einem Naiskos (Tempel) auf einem Thron dargestellt und trägt eine Mauerkrone oder einen Kalathos (den lilienförmigen Arbeitskorb der griechischen Frauen) mit Trankopfer, eine Schüssel und eine Trommel, und sie wird von Löwen flankiert oder hält solche auf dem Schoss. Eunuchenpriester ergingen sich in solchen Kybele-Kulten, aber nicht nur sie, diese Kulte waren charakteristisch für anatolische Kulte für weibliche Gottheiten. Transvestiten engagierten sich für solche Kulte in prophetischen Verzückungen und galten als schmerzunempfindlich; Transvestitismus mit Tanzvorstellungen, Männer in Frauenkleidern mit gebleichten Gesichtern.
    - Dieser Kult wurde auch im antiken Baktrien, zwischen dem Amudarja (dem alten Oxus) und den Bergen des Hindukusch im nördlichen Afghanistan, Tadschikistan, Usbekistan und im Süden Indiens praktiziert. Vielleicht schon vor 600 v. Chr. und bis 600 n. Chr. wurde in der Region Handel mit Karawanen zwischen Ost und West betrieben, der nicht nur Waren, auch neue Rituale mitbrachte. Die Handwerker in der Provinz Balkh (Baktrien) waren massgeblich an der Verbreitung von religiösen Vorstellungen und künstlerischen Ikonographien über ein riesiges Gebiet beteiligt. Die Region war weiterhin ein Durchgang zu den eurasischen Steppen, wo nomadische Kulturen florierten. 200 Jahre später, nachdem Alexander der Grosse besiegt wurde, gründete Darius III mit den Seleukiden ein eigenes Reich, das sich von Baktrien über den Iran, Babylonien und Syrien nach Anatolien erstreckte.
    - Erstaunlich ist die Übereinstimmung zwischen der Grossen Mutter Kybele und der grossen Mutter des indischen Tantrismus, „Kali, Durga, Ganga“. Wie Kybele zum mythischen – mal hier und mal dort verorteten – Berg Ida, so gehört Kali zum mythischen Berg Meru. Beide werden vom Löwen begleitet, dem zerreissenden und verschlingenden Tier. Vor allem aber gehört zu beiden ein toter Geliebter. Wie Kybele ewig am Grab des Attis trauert, so steht Kali in all ihren Tempeln über dem Leichnam ihres Geliebten, des Himmels- und Sonnengottes Shiva. Beide sind auch selbst am Tod ihres Geliebten schuld. Denn Kybele trieb zumindest Attis in den Selbstmord, und Kali zerriss und verschlang Shiva laut der esoterischen Lehre.
  • (2) Der Mithraismus oder Mithraskult war ein zunächst in Kleinasien, später im ganzen Römischen Reich verbreiteter Mysterienkult, in dessen Zentrum die Gestalt des Mithras stand. Ob diese Gestalt mit dem persischen Gott oder Heros Mithra identifiziert oder aus ihr abgeleitet werden kann, wie bis zur Mitte des 20. Jahrhunderts allgemein angenommen wurde, ist ungewiss, denn der kleinasiatisch-römische Mithraskult weist in seiner Mythologie und religiösen Praxis deutliche Unterschiede zur indisch-persischen Mithra-Verehrung auf. Somit ist umstritten, ob sich der Mithraskult aus einer Seitenströmung des Zarathustrismus oder eigenständig entwickelt hat. Es wurde angenommen, dass die Römer den persischen Kult um Mithra übernahmen und adaptierten (ähnlich wie im Falle der ägyptischen Isis); heute ist man vielfach vorsichtiger. Zweifelsohne ist „Mithras“ die hellenisierte Form des Namens „Mithra“, und viele Elemente des Mithraskults sind mit der persischen Kultur verbunden.
  • (3) Die Hurriter waren ein Volk, das im alten Nahen Osten, in Mesopotamien und den angrenzenden Regionen in der Bronzezeit gelebt hat. Die grösste und einflussreichste Hurriternation war das Reich von Mitanni (mehr Informationen unter „Königreich Urartu“). Die Bevölkerung des späteren hethitischen Reiches in Anatolien bestand zu einem grossen Teil aus Hurritern, und ihr dominanter Einfluss auf die hethitische Mythologie ist bezeichnend. Mit der frühen Eisenzeit hatten sich die Hurriter auch mit anderen Völkern assimiliert, ausser vielleicht im Reich Urartu.

Im ersten Jahrtausend v. Chr. (Eisenzeit) praktizierte man im anatolischen Raum (Kleinasien) einen Kult und benutzte religiöse figürliche Items in Zeremonien, die ihre Wurzeln in der Bronzezeit hatten. Reliquien der Hethiter, der Mitanni und der Hurriter, die Riten von religiösen Vorstellungen entsprachen. In Mitanni (1), einem Reich in Nordsyrien und Mesopotamien, herrschte eine Elite, die Maryannu, deren Ursprung offenbar östlich des Tigris, im Zagros-Gebirge und auch eine Urheimat der Armenier war (Urartu). Sie verbreiteten sich nach Westen, und unter der Herrschaft der Mitanni wurde Assyrien gestürzt. Somit kontrollierten sie den Raum im nördlichen Mesopotamien, in Syrien und Ostanatolien, womit ein starker Einfluss auf die hethitische Kultur stattfand, vor allem in Sachen Glaube und kultische Praktiken. Puduhepa, Ehefrau und Mutter von zwei hethitischen Königen und Mitregenten, stammte aus einer solchen hurritischen Priesterfamilie, weshalb hurritische Gottheiten im hethitischen Pantheon Einzug hielten und auch in den Felsmalereien in Yazlikayazu zu finden sind. Nahezu wenig ist von der eigentlichen Kultur der Mitanni bekannt, fast nur durch Rollsiegel, eine wichtige erhaltene Kunstform der Mitanni mit ikonographischen Motiven, darunter „The Sacred Tree“ (2), der Greif und eine Göttin, die auf einem Tier reitet, sich also als Herrin der Tiere präsentiert. In Anatolien war im ersten Jahrtausend v. Chr., die grosse phrygische Gottheit Mata (Mutter, 3) entstanden, ihr Name erscheint auf zehn Inschriften in der paläophyrgischen Sprache und ist mit dem Beinamen Kubileya zweimal aufgeführt. Nachdem die Kimmerer ca. 676 v. Chr. Phrygien zerstört hatten, begann Lydien im südwestlichen Anatolien zu expandieren, begründete eine Dynastie, und übte auch Einfluss auf die ionischen Griechen aus. Diese Skulpturen (Votivgaben – 4) der Hethiter aus dem 7. Jahrhundert v. Chr. sind stilistisch mit diesen kleinen Skulpturen aus dem Tempel der Artemis in Ephesos (5) vergleichbar (auch im alten Lydien waren solche Votivstatuetten als Votivbeigabe bekannt). Statuetten aus Gold oder Elfenbein sind erhalten. Es handelt sich um Darstellungen von Frauen und bartlosen Eunuchenpriestern, letztere tragen lange Gewänder, einen schmucken Kopfputz und schwere Perlen. Andere Skulpturen stammen aus Lykien, einer Stadt entlang der Mittelmeerküste im Südwesten Anatoliens. Im 14. und 13. Jahrhundert v. Chr. wurden hier die hethitischen Annalen, die Lukka aufgezeichnet, und das Land diente als Keil zwischen den Hethitern und den Ägäis-Griechen an der Küste. Die Lykier tauchten im 8. Jahrhundert v. Chr. wieder auf. Ihr Territorium ist für grosse Grabhügel bekannt, ähnlich den phrygischen Grabhügeln bei Gordion. Die Phryger dürften europäischer Herkunft sein und waren für Gottesdienste mit dem orgiastischen Facette (6) unter dem Kybele-Kult bekannt. Lykiens Artefakte enthüllen starke kultische Verbindungen mit den Hethitern und Phrygern. Reliefs von Mata und Arslan Kaya, auch Herrin der Tiere, in Westphrygien sind vielleicht aus Mitanni und von den Hethitern beeinflusst. Um 550 v. Chr., als der Kult der Magna Graeca entwickelt wurde, wurde Mata zu Artemis: eine Herrin der Tiere unter Beibehaltung von Kybeles Löwen und anderen ihrer Attribute. In einer Inkarnation als Mata Kybeliye wird sie zusätzlich zu den Löwen-Symbolen mit Strömen von Wasser in Verbindung gebracht, bevor sie orgiastische und ekstatische Attribute annahm. Dies wurde im nördlichen Mesopotamien gefunden, speziell in der Stadt Mari, wo das Wasser eine Göttin war. Megalithe (7) von Wassergöttinnen der Hethiter konnten noch auf der Ebene des türkischen Konya gefunden werden. Kulte um Wassergöttinnen und Schlangen wurden in Syrien und Mesopotamien in eingeschränktem Masse gefunden.
Chthonische Bilder (Erdengötterdarstellungen) von
Tschoga Zanbil (Chogha Zanbil – Korbhügel) (8), und einer aus einem anderen Zikkurat (Göttertempel), etwa auf einem Rollsiegel, haben gleiche Attribute wie die lydischen Eunuchenpriester: die Kopfbedeckung, Perlen, eine Haarlocke vor dem Ohr mit einem „Mona-Lisa“-Lächeln, und auch sie stellen Wassergöttinnen dar. Vergleiche zu westlichen Einflüssen waren im königlichen Palast vorhanden, wie Funde aus den Gräbern von Tschoga Zanbil und dem nahe gelegenenn Elamite Zikkurat ca. 1250 v. Chr. zeigen. Bei den verbrannten Leichen könnte es sich, wiewohl keine Inschriften dies kennzeichnen, um Grabstätten der Könige handeln. Man ist hier wohl auf eine Einäscherung von hethitischen Königen und einigen der Könige von Mitanni gestossen. Mit der Wanderung der Thraker aus Südeuropa nach Anatolien um 1000 v. Chr. lässt sich die Einführung solcher orgiastischen Rituale (6) nachweisen, die nicht Kulte des Matar sind (Name eines Sterns, der Heiligkeit besitzt). In der Antike wurde Dionysos (9) zu einem griechischen Gott, er kam aber ursprünglich aus dem Norden Griechenlands, aus Thrakien. Die Thraker verehrten grundsätzlich keine Götter, aber Ares, Dionysos und Artemis waren griechische Namen für Götter und wurden übernommen, sie waren heilig an den Orten der Weissagung. Die Bessi waren die Propheten des Schreins, und auch die Priesterin, die das Orakel aussprach, wie bei den Griechen in Delphi. Der Synkretismus (10) der Glaubenssysteme des phrygischen Materkults (3) zum Kybele-Kult mit Attis, fand offenbar zwischen dem 12. und dem 6. (oder 7.) Jahrhundert v. Chr. statt. Die Interaktion mit dem südlichen Thrakien (11) (Südbulgarien) ist in archäologischen Funden aus der Mitte des zweiten Jahrtausends v. Chr. erwähnt. Thrakische Kunstformen tauchen auf, die semantisch (Zeichen oder Symbole) mit zwei grossen Regionen beladen sind: der des Alten Orients und der von Anatolien, wie in den Gräberfeldern nordöstlich von Warna (Varna) zu sehen ist. Viele Grabstätten enthielten Zeugnisse hochentwickelten metallurgischen Werkens (Gold und Kupfer), Keramik, darunter Gefässe mit geometrischen, streng stilisierten und mit Goldfarbe ausgemalten Symbolen, sowie hochwertige Feuerstein- und Obsidianklingen (siehe Bild), Perlen und Muscheln. Sie sind Zeugen grosser technischer und handwerklicher Begabung der Künstler. Unter den Grabfunden sind Arm- und Stirnreifen, Halsketten und massive Zierenden von Zepterstäben sowie zahlreiche Versatzstücke von Gewändern aus Goldblech, die teilweise Tiergestalt haben. Einige Gräber können auf 4600 bis 4200 v. Chr. (spätes Äneolithikum – späte Kupferzeit) datiert werden und gehören zur Warna-Kultur oder der lokalen Variante der Karanowa-Kultur, einer vom 10. bis zum 6. Jahrhundert v. Chr. (Eisenzeit) vorherrschenden thrakischen Kunst, deren geometrischer Stil mit anderen Kulturen übereinstimmte. Man fand Parallelen in Österreich, im Kaukasus und rund um das iranische Plateau. Texte und archäologische Funde brachten Hinweise darauf, dass die Thraker im Bündnis mit den Trojanern bereits den Handel von der Ägäis bis zum Schwarzen Meer beherrschten. An dem prächtigen gehorteten Gold im thrakischen Gebiet ist erkennbar, dass deren Adel in der Lage war, beträchtliche Reichtümer anzuhäufen. In Thrakien war die grosse weibliche Gottheit Bendis mit einer Vielzahl von Beinamen, und ihrer Vielzahl von Funktionen wurde mit Ritualen gehuldigt. Die Bendis-Kulte wurden in Athen 429 und 428 v. Chr. auf vielen Inschriften, Widmungen und Reliefs erwähnt. Im Südwesten von Thrakien erscheint die Göttin bereits im 7. Jahrhundert v. Chr., ikonographisch mit Speer und Zweig, ein Keramikfragment ähnlich dem aus Lemnos, dargestellt mit zwei Speeren. Auf zwei Reliefs in Attis wurde eine der best erhaltenen Darstellung der thrakischen Göttin gefunden: Sie ist in Chiton mit einer Tierhaut über die Schultern bekleidet, trägt eine Zipfelmütze (wie die Phryger oder nomadische Stämme) und hält zwei Speere. Die Semantik (Symbole) „Die Herrin der Tiere“ waren spezielle und dominierende Formen im Bendis-Kult des 5. Jahrhunderts v. Chr.. Aufschlussreich sind thrakische symbiotische Beziehungen mit den Sarmaten aus dem 2. bis 1. Jahrhundert v. Chr. Eine thrakische Beinschiene (Schienbeinschutz) in Form eines extrem stilisierten weiblichen Attributs steht im Zusammenhang mit einer skythischen Schlangengöttin und war ein besonders wichtiges Symbol für die thrakische Königsfamilie. Diese chthonische Schlange (Leben, Fruchtbarkeit und Tod), ein besonders wichtiges Symbol der elamitischen Kunst, wird mit der Wassergöttin in Verbindung gebracht. Ein orgiastischer Kult (3) ähnlich dem Kybele-Kult wurde von skythischen Stämmen ebenfalls zelebriert. Orgiastische Ritualsymbole dürften auf Anhängern und Plaketten im 4. Jahrhundert v. Chr. bei Bestattungen in Mode gekommen zu sein. Sie zeigen Frauen mit Tierköpfen und Waffen in frenetischen Tanzszenen, aber es ist nicht bekannt, ob die Tänzer wirklich Frauen oder Transvestiten waren. Die Eunuchenpriester, die zum „mächtigsten Adel“ gehörten und Frauenkleidung trugen, auch Frauenberufe ausübten, wie Frauen sprachen, genossen besonderes Ansehen und Respekt, da man befürchtete, von ihnen verhext zu werden. Skythische Stämme waren wahrscheinlich mit diesen orgiastischen Kulten des Nahen Ostens und der Verehrung dieser Fruchtbarkeitsgöttinnen vertraut.

  • (1) Mittani, Mitanni (Hurriter) (16. Jahrhundert bis 13. Jahrhundert v. Chr.)
    Die Anfänge des Staates Mittani liegen völlig im Dunkeln. Ihre Könige trugen ausschliesslich nicht hurritische Thronnamen, wobei einige davon als indoarisch identifiziert worden sind. Die Bevölkerung bestand aus Hurritern, Amoritern (Kleinviehnomaden) und Assyrern. Sie benutzten die Keilschrift der Akkader. Diese waren mit mythischen Zeichnungen (Menschen und Tieren mit Flügeln, Drachen und Monstern) verziert. Zwischen Gott und Dämon wurde nicht klar getrennt, Eigenschaften galten sowohl für gute wie für böse Geister. Aus Mittani sind auch hurritische, akkadische und altanatolische Sprachzeugnisse bekannt. Das Pantheon der Mittani war eine Mischreligion verschiedener vorderasiatischer Völker. Man kannte die Anzahl sowie die Namen von Göttern, die zum Teil auch aus dem vedischen und persischen Pantheon bekannt sind. Man bezeichnet sie als „spärliche Relikte arischer Prägung“, wie es z.B. der Rigveda (eine Textsammlung) in vedischen und auf Sanskrit verfassten Versen festhält. Er zählt somit zu den ältesten der vier Veden und zu den wichtigsten Schriften des Hinduismus. Die indoarischen Sprachen sind ein vorwiegend in Südasien verbreiteter Zweig der indogermanischen Sprachfamilie. Aus diesem Grund vermutet man, dass die Oberschicht dieser indoarischen Gruppe und Herkunft zugeordnet werden kann (was aber nicht bewiesen ist). Zusammen mit den iranischen Sprachen bilden die indoarischen Sprachen innerhalb der indogermanischen Sprachfamilie eine gemeinsame indoiranische Untergruppe. Die insgesamt über 100 heute gesprochenen indoarischen Sprachen haben rund eine Milliarde Sprecher, vorwiegend in Nord- und Zentralindien, in Pakistan, Bangladesch, Nepal, auf Sri Lanka und den Malediven.

    - Mehr Informationen unter „
    Assyrer“ und „Königreich Urartu“ in der „Geschichte der Reiternomaden

  • (2) Die Ikonographie, speziell zum „Baum des Lebens“ („Tree of Life“) deuten auf
    eine Einbeziehung der Glaubenssysteme osteurasischen Steppen hin (
    siehe die Abbildungen 01 und 02).
  • (3) Materkult – (auch Mata, „Mutter“ genannt). In einigen Kulten und Mythen überragt Mata die männlichen Götter, gilt als diesen übergeordnet. Devi gilt als Schöpferin und Beherrscherin des Universums, sie ist der schöpferische Aspekt des Absoluten (Brahman) und die universelle Mutter. So wird sie auch „Mata“, Mutter genannt. Devi wird als aktive Kraft (Shakti) gesehen, die sich selbst als Universum manifestiert. Sie ist Urgrund und Wurzel des Daseins und das Dasein selbst und in dieser Funktion auch Maya. Sie gilt als höchste Realität und ist in dieser Form eine aktive, kreative und transzendente Kraft. In einigen Kulturen und Mythen überragt sie die männlichen Götter, gilt diesen als übergeordnet und als höchste Erscheinungsform des Absoluten, als absolute Realität und absolute Wahrheit. In diesen Mythen ist Devi die Urkraft, von der die männlichen Götter Anweisungen zur Schöpfung oder Vernichtung erhalten.
  • (4) Eine Votivgabe (von lat. votum: „Gelübde“) ist der künstliche oder natürliche Gegenstand, den der Votant gemäss einem Gelübde (ex voto) an einer heiligen Stätte als Zeichen des Dankes für die Rettung aus einer Notlage darbringt. Vom Gebet unterscheidet sich die Votation durch das Versprechen und schliesslich durch die Darbringung einer Gabe. Der Vorgang gleicht einem Rechtsakt: Erfüllt die eine Seite die Bitte, muss die andere ihre Leistung in Form eines Votivs erbringen.
  • (5) Der Tempel der Artemis in Ephesos, auch Artemision, war der grösste Tempelbau der Antike und gehört zu den Sieben Weltwundern der Antike. Die griechische Stadt Ephesos (deren Ruinen heute in der Türkei bei Selcuk unweit von Izmir zu besichtigen sind) war in der Antike für ihren Reichtum berühmt. Sie war später – als Hauptstadt der römischen Provinz Asia – eine der grössten Städte der Antike. Artemis ist in der griechischen Mythologie die Göttin der Jagd, des Waldes und die Hüterin der Frauen und Kinder. Sie zählt zu den zwölf grossen olympischen Göttern und ist damit eine der wichtigsten Gottheiten der griechischen Religion.
  • (6) Das Lustbedürfnis wurde regelmäßig in der Gestalt des kultischen Festes mit seinen orgiastischen Ritualen ausgelebt.
  • (7) Als Megalith bezeichnet man einen grossen, oft unbehauenen Steinblock, der als Baustein für Grab- und Kultanlagen benutzt oder als Monolith aufgerichtet und in Steinsetzung positioniert wird. Die west- und nordeuropäischen Megalithbauten wurden alle in der Jungsteinzeit und der frühen Bronzezeit errichtet.
  • (8) Tschoga Zanbil ist eine mittelelamitische Residenzstadt, die von König Untasch-Napirischa (Untasch-Gal, 1275 bis 1240 v. Chr.), dem Sohn von Himbn-Numena, gegründet wurde. Die Stadt liegt ca. 40 km südöstlich von Susa (Schusch) in der Provinz Chuzestan (Khuzestan) des heutigen Iran. Wie andere orientalische Herrscher etwa zur gleichen Zeit verliess auch Untasch-Napirischa die alte Hauptstadt seines Landes, um eine neue Stadt zu gründen. Die Stadt war etwa bis Ende der elamischen Epoche im 6. Jh. v. Chr. besiedelt. In der Mitte befindet sich ein ummauerter Tempelbezirk, dessen Kernstück eine heute noch 25 m hohe (ursprünglich wohl um die 50 m hohe) Zikkurat (Himmelshügel – Götterberg) ist. Sie hat eine Seitenlänge von 105 m und ist die bisher älteste in Elam gefundene Zikkurat. Sie bestand aus einem Hochtempel auf vier Terrassen und war Napirischa und Inschuschinak (sumerisch „Herr von Susa – Hauptgott der Elambevölkerung“) geweiht.
  • (9) Dionysos ist in der griechischen Götterwelt (ursprünglich der Thraker) ein Gott des Weines, der Freude, der Trauben, der Fruchtbarkeit und der Ekstase. Er wurde von den Griechen und Römern wegen des Lärmes, den sein Gefolge veranstaltete, auch Bromios (Lärmer), Bakchos oder Bacchus (Rufer) genannt. In der Literatur und Poesie wird er auch oft als Lyäus, der Sorgenbrecher bezeichnet.
    Dionysos, der Thraker, Sohn der Semele, war wegen der mit ihm verbundenen orgiastischen Kulte auch bei den Griechen sehr beliebt. Dabei wurde rohes Fleisch verzehrt, um sich den Gott einzuverleiben, und viel Wein wurde getrunken.
  • (10) Synkretismus bedeutet die Vermischung religiöser Ideen oder Philosophien zu einem neuen Weltbild. Er nimmt die Aspekte unterschiedlicher Religionen gezielt auf und formt sie zu etwas Neuem.
  • (11) Thrakien ist als „das goldene Reich des Orpheus“ (Homer) eine der ältesten Kulturlandschaften Europas und durch seine Philosophen bekannt. Überall in Thrakien, vor allem in der Oberthrakischen Tiefebene, kann man auf Reste der alten Kulturen und historischen Plätze stossen. Viele davon sind kaum erforscht und wenig bekannt. In der Landschaft sieht man thrakische Dolmen und Tumuli (thrakische Königsgräber).

    – siehe weitere Informationen zur „Geschichte der Reiternomaden

© Albi, Anfang April 2012, korrekturgelesen von Hermelinde Steiner – Oktober 2012
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