Face Music - Peoples of Siberia
  • Die südlichen Völker




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P & C December 1998
- Face Music / Albi

- last update 03-2016


Text in German

Frühmenschen im südlichen Sibirien
Altsteinzeit - Reste menschlicher Werkzeuge aus dem Paläolithikum fand man in Abhängen nahe dem Flüsschen Ulalinka bei Gorno-Altaisk. Dabei handelt es sich um das Steinwerkzeug eines Frühmenschen, das auf Ende der Sartan-Eiszeit (letzteiszeitliche Vergletscherung vor 24.000 bis 12.000 Jahren) datiert werden kann. Man fand behauene Steine auch am Ufer des Seja-Flusses, einem Zufluss zum Amur, die älter sind als der Sinanthropus (Peking-Mensch), der in der Zhoukoudian Höhle (Chou Kou Tien) in China gefunden wurde (vor 680.000 - 780.000 Jahren). Das war Geröllgerät, von Urmenschen hergestellt. Dabei handelt es sich um ein massives Geröll, meist Flussgeröll, von dem durch Hartschlag mindestens ein Anschlag abgetrennt wurde, so dass eine scharfe Arbeitskante entstand. Die ältesten bekannten Werkzeuge einer Faustkeil-Kultur einer frühen Steinzeit (vergleichbar dem afrikanischen Altpaläolithikum) dürfen etwa 2,6 Millionen Jahre alt sein. Wahrscheinlich wurde diese Technik aus Afrika über Europa und Vorderasien durch eine West-Ost Wanderung während der Risseiszeit (Riss-Kaltzeit = zweitjüngste Kaltzeit – Gletscher reichten bis ins Voralpenland) nach Sibirien gebracht. Man fand Steinbrüche in der Form einer Faustkeil-Kultur dieses Acheuléen-Typus, welcher vor ca. 1,7 Millionen Jahren entstand und bis vor 150.000 Jahren dauerte. Diese Funde können dieser Kulturepoche eines Frühmenschen zugeordnet werden. Die Funde lassen erkennen, dass mit solchen Techniken auch in Afrika, Europa, Eurasien und Indien Geräte hergestellt wurden. Entlang dem Amur in Usha Kurnari, Filimoschki und Ust-Tu sowie am Ulalinka-Fluss im Altai und in der Ostmongolei westlich der Stadt Sayn Schand (East Gobi Aimag) wurden behauene Steine gefunden, die mittels verschiedener Techniken verarbeitet waren. Daraus kann man schliessen, dass das sibirische Gebiet damals nicht in Massen besiedelt wurde, sondern eher in kleineren Gruppen, die ihr jeweiliges Kulturerbe mitbrachten - da eine entwickelte ostasiatische Technik vorherrschte und nicht die einer Acheuléen. Letztere fand man aber doch am Ulalinka Fluss und in Kizil-Osek. Im Altaigebiet war eine Geröllgeräte-Herstellung ebenfalls präsent, d.h. Werkzeuge aus Kieselsteinen wurden gefertigt, ein Verfahren, das im unteren Paläolithikum (Altsteinzeit) aber auch noch viel später im oberen Paläolithikum praktiziert wurde. In späteren Abschnitten kam der schwarze Feuerstein. Wegen seiner grossen Härte, seiner in hohem Masse berechenbaren Spaltbarkeit und der äusserst scharfen Schlagkanten wurde der Feuerstein ein wichtiges Rohmaterial, um schneidende Werkzeuge und Waffen herzustellen. Wichtige Funde wurden in der Primoje Region gemacht, im Dorf Ossinowka, etwa 40 km von Ussurijsk entfernt. Die Region liegt im äussersten Südosten Russlands am Japanischen Meer und grenzt an China und Nordkorea. Man fand auf einem Hügel Anzeichen für die Nutzung des Platzes zur Verarbeitung, der über mehrere Generationen hinweg besiedelt und benutzt wurde. Schichten unter einer früheren Eisenzeit, die einer Mohe-Kultur zugeordnet werden können, sind aus der neolithischen (Jungsteinzeit) und mesolithischen (Mittelsteinzeit) Periode bei Grabungen hervorgekommen. In der Siedlung Ustinowka am Taduscha-Fluss fand man eine Tuff-Lagerstätte mit Werkzeugen zur Steinbearbeitung sowie Amboss und Kernstein – was darauf hindeute, dass man seinerzeit bereits die industrielle Bearbeitung von Steinwerkzeug kannte. Beim Tuff oder „Tuffstein“ handelt es sich um vulkanisches Eruptivgestein, das sich verfestigte.

- siehe Skizzen und Fotos von Steinbearbeitungen (16, 17 und 18)

Jungsteinzeit - Seit dem Neolithikum (Jungsteinzeit – Beginn von Viehhaltung und Ackerbau) war ein Grossteil Sibiriens bereits bevölkert. Wie Funde beweisen, haben Beziehungen zu Waldgebieten in Osteuropa bestanden. Sehr früh bildete der Süden Sibiriens einen geschlossenen Kulturraum, der vom Baikal bis zu den Japanischen Inseln und von der Mongolei bis zum Pazifik reichte. Die Kulturen bewahrten einen eigenständigen Charakter hinsichtlich Kunsthandwerk und Arbeitsgeräten und in ihren Sprachen, wie diese archäologischen Funde bestätigen. Bewohnte Hütten waren mit Fell bedeckt, in der Mitte befand sich eine Feuerstelle; es waren Baugruben, über die Birkenrinde auf Pfählen gespannt wurde. In der Amurregion gab es Siedlungen mit bis zu 15 Hütten, deren Bewohner vom Fischfang lebten.

Weitere Kulturen bestanden u.a. an den Küsten wie die Sidemin-Kultur am Amur und eine Uril-Kultur im Altai. Gefunden wurde Arbeitsgerät, das aus dem 9. Jahrtausend. v. Chr. stammt, sowie rotglänzende amphorenartige Gefässe. Eine Chapigon-Kultur existierte, datiert 2. Jahrtausend v. Chr., und eine darauf folgende Polzomer-Kultur in der Nähe von Wladiwostok. Es wurde Schmuck gefunden, verarbeitet aus Nephrit (ein Mischkristall aus der lückenlosen Mischreihe der Minerale Tremolit und Aktinolith) und Serpentin (eine Gruppe im monoklinen Kristallsystem, kristallisierender Silikat-Minerale mit chemischen Zusammensetzung) in Sibirien, deren grössten Vorkommen sich im Sajan-Gebirge und am Baikalsee befanden. Damit wird eine gewisse kontinuierliche und überregionale Entwicklung bewiesen. Dieser Schmuck wurde ebenfalls in China gefunden, was relativ untypisch ist. Gleichartig gefertigte Schmuckstücke fand man im Ural und an der Wolga. Damit bestätigt sich, dass Kontakte zu anderen Regionen oder Wanderungen stattgefunden haben. Ein Vordringen von nördlich siedelnden Völkern nach Süden, bis zum Gelben Fluss, ist belegbar. Ebenfalls lässt sich anhand von Funden erkennen, dass ein Einfluss über iranische Stämme im östlichen Pamirgebirge wie im mittelasiatischen und mongolischen Raum bestand; ebenfalls im südlichen sibirischen, dem heutigen sowjetischen, chinesischen und kasachischen Altai-Gebirgsraum. Darüber hinaus gab es Funde aus einer Karasuk-Kultur. Erstmals drangen Pferd und Wagen während der
Yin-Dynastie (1) nach China vor. Im 3. bis 2. Jahrtausend v. Chr. müssen Stämme aus dem ostsibirischen Raum aus der Serow-Kitoi-Kultur (2) (Schiwei – siehe Karte) in die Baikal-Region bis zum Gelben Fluss vorgedrungen sein, wie dies chinesischen Chroniken entnommen werden kann.

Ende der Altsteinzeit waren noch Lebensformen mit Sammlern und Jägern anzutreffen (Wildbeuter). Dabei handelte es sich um Wanderjäger, die mit Hunden als Begleiter umherzogen und in Zelten lebten, von denen nur noch die Feuerstellen gefunden wurden. Später drangen Rentierzüchter in die Amurregion vor, die einer tungusischen Mandschu Sprache zugeordnet werden können. Hier vollzog sich im Laufe der Zeit eine Übertragung oder Vereinigung von lokalen Einzelkulturen zu einer weiter verbreiteten Kultur, die im Zuge ihrer Blüte von kultureller Expansion zeugt. Diese Völker hatten Erfolg mit hohen Erträgen aus der Agrarwirtschaft, und es gelang ihnen, eine herrschende Rolle zu spielen. Sie bildeten Stammesvereinigungen und gründeten ein erstes Reich in der Amurregion, das der Bohai (3) (Balhae - siehe Karte) und der Dschurdschen (4) (Jurchen), das dem Chinesischen gleichgestellt war. Die Vereinigung der mongolischen Stämme unter Dschingis-Khan im 12. Jahrhundert brachte diese Hochkultur zu Fall.

  • (1) Yin-Dynastie (oder Shang-Dynastie) – war die zweite Dynastie in der chinesischen Geschichte. Sie regierte China zwischen dem 16. Jahrhundert v. Chr. bis etwa zum 11. Jahrhundert v. Chr. Sie folgte der in ihrer Existenz umstrittenen Xia-Dynastie und wurde von der Zhou-Dynastie abgelöst. Die Shang-Dynastie ist die erste chinesische Dynastie, die zeitgenössische schriftliche Dokumente hinterlassen hat.
  • (2) Der Fluss Kitoi hat seinen Ursprung im Ostsajan. Er entsteht dort durch den Zusammenfluss der beiden etwa 20 km langen Flüsse Samarta und Urda-Ulsyta. Der Kitoi durchfliesst das Bergland in östlicher Richtung und mündet bei Angarsk in die Angara.
  • (3) Das Balhae, auch Bohai genannt, war ein mandschurisch-koreanisches Königreich in der südöstlichen Mandschurei und dem nördlichsten Zipfel des heutigen Nordkoreas. Es existierte von 669 bis 926 v. Chr.
  • (4) Die Dschurdschen (auch Jurchen/Dschürdschen) waren ein tungusisches Volk in der östlichen Mandschurei und die Vorfahren der Mandschu (der Name Mandschu wurde im 17. Jahrhundert n. Chr. angenommen). Ihre Sprache war eine alte Form der Mandschu-Sprache. Die Schrift der Jurchen wurde aus jener der Kitan (Khitans) entwickelt. Die Jurchen gingen vermutlich aus sibirischen Jägern hervor, die im Laufe der Zeit durch den Kontakt mit den in der östlichen Mandschurei ansässigen Chinesen sinisiert wurden. Sie wurden erstmals 1069 n. Chr. erwähnt. 1115 liess sich der Stammesfürst Aguda zum Kaiser krönen und begründete die Jin Dynasty; in den folgenden Jahren bis 1125 stürzten diese die damals Nordchina regierende Liao-Dynasty der gleichfalls aus der Mandschurei stammenden Kitan. Nach mehreren Feldzügen gegen die Mandschurei erreichte das Reich 1142 seine grösste Ausdehnung. Im Zuge des Mongolensturms Anfang des 13. Jahrhunderts wurde das Reich 1234 von den Mongolen unter Ogedei Khan erobert. Während der Ming Dynasty, die die Mongolenherrschaft beendete, lebten die Jurchen als Jäger und zunehmend auch als Bauern; sie kamen vor allem durch den Handel mit Ginseng zu Wohlstand.

Bronzezeit - in dieser Epoche entwickelte sich die Metallverarbeitung mit Herstellung von Geräten aus Bronze. Im Zeitraum von 2200 bis 800 v. Chr. entstanden Siedlungen mit grossen Feuerstellen und Opferplätzen. Speisen wurden in Töpfen gehalten. Diese Völker unterhielten Kontakte zu den Steppenvölkern.
- weitere Informationen siehe: Archäologische Funde der Steppenkulturen – aus dem eurasischen und zentralasiatischen Raum

Felszeichnungen
Ein besonderer Fund sind Felsenzeichnungen in Sakatschi-Aljan im Amurgebiet. Es wurden riesige Basaltblöcke mit eingemeisselten Gesichtern wie sonst nirgendwo im asiatischen Raum gefunden. Diese Gesichter stellen vermutlich Masken dar, die bei rituellen Zeremonien verwendet wurden. Masken waren schon sehr früh ein wesentlicher Bestandteil der Schamanenbekleidung, vorab jene, die einen Vogel oder Hirsch darstellten. Sobald der Schamane seine Kleidung und Maske angezogen hatte, wurden Hilfsgeister oder die Geister Verstorbener angerufen (Form eines Animismus und Ahnenkult), zu erscheinen und in einer Sitzung zu vermitteln. Masken wurden ursprünglich aus echten Schädeln gefertigt, wie Funde bestätigen. Man verwendete die gleichen Wörter für Schädel, Maske, Toter oder Ahne. Abgebildete Wasservögel, allgemein Vögel, stehen im Zusammenhang mit der Entstehung (Schöpfung) der Menschen oder für Schamanen. Der Überlieferung zufolge soll der erste Schamane ein Adler gewesen sein.

Felszeichnungen bringen eine Verbindung zu den Mohe-Stämmen (tungusisch-mandschu Gruppe), die zu Turkstämmen in Zentralasien durchaus Parallelen aufweisen. Im Osten findet man auch Vergleiche zum chinesischen Kunsthandwerk. Die früh auf den Inseln siedelnden Ainu beeinflussten zugewanderte Völker (wie z.B. Japan). Ein häufiges Motiv waren die Schlange oder ein Drache, die oft synonymisch gebraucht wurden. Bei den Altaistämmen wird dieses Tier mit einem Fisch dargestellt, dem sogenannten "Ker-Balyk" – siehe Bild „Drachen“ und „Fisch“.
Möglich wäre, dass der chinesische Drache, wie er heute verwendet wird, durchaus bei Nachbarvölkern seinen Ursprung hatte und nicht umgekehrt, da diese Darstellung in den Epochen der Zhou, Jin und Han noch fremd war.
Spiralmuster und Krummbogenmuster waren weit verbreitet. Sie sind am deutlichsten noch bei den
Maori (Neuseeland) vorhanden und haben in China keine bedeutende Rolle gespielt; das heisst, sie wurden wohl übernommen. Ähnliche Felszeichnungen von Pferden mit Netzsymbolik im Rumpf, wie sie am Amur gefunden wurden, gibt es auch im übrigen zentralasiatischen Raum am Jenissej und im Altai-Gebirge.
- weitere Informationen siehe: Felszeichnungen und Motive des frühen Schamanismus
- weitere Informationen siehe: Ornamente der Jakuten

Religion
Die sibirischen Völker gerieten relativ früh unter den Einfluss verschiedenster Strömungen, so dass es heute nicht einfach ist, Glaubensvorstellungen, die sich eigenständig entwickelt haben, aufzuarbeiten. Überall findet man einen Einfluss zu turkischen, tibetischen, indischen und chinesischen Vorstellungen.
Aufzeichnungen von Schöpfungsmythen der Turken und Mongolen sind Teil von oralen Überlieferungen; darüber hinaus gibt es auch noch Texte in Runenschrift. "
Am Anfang gab es den blauen Himmel und die braune Erde, dann, zwischen ihnen, entstanden die Söhne der Menschen". Die beiden Hauptgötter waren der Gott des Himmels (Tenger) und der Gott der Erde (Yduk Jer-Sub). Das Universum der Turken und Mongolen bestand aus den drei Ebenen (Welten), der Unteren, Mittleren und Oberen Welt. Dies war ein Glaube, der über ein riesiges geografisches Gebiet praktiziert wurde, von der Mandschurei bis zur Donau.
Diese Naturreligion hat sich dank eines natürlichen Verständnisses zur Umwelt entwickelt, eine von der Jagd und der Fischerei geprägte und von einwandernden Rentierzüchtern weiter geformte Glaubensvorstellung eines Animismus.
Animismus – bezeichnet man allgemein als eine schriftlose, in Reinform ausschliesslich bei Jäger-Sammler-Kulturen verbreitete Religion indigener Völker. Es gibt demnach nicht eine bestimmte Religion des Animismus. Vielmehr stellt sich der Animismus gleichermassen als Religion wie als Regelwerk des Aufbaus der Soziokultur und auch als vorrationale Welterklärung in jeder Kultur anders dar.
Animisten betrachten jeden auch nur all so kleinen Teil als eine beseelte Welt und den mit Ehrfurcht zu gebietenden Kosmos, der mit der monotheistischen, mosaischen Religion vergleichbar ist. Für sie ist die spirituelle Welt die eigentliche Realität.
Die Völker in Sibirien hatten eigene Vorstellungen betreffend ihre Existenz. Diese werden Allgemein als "Animismus" oder "Schamanismus" bezeichnet, obwohl der letzte Begriff nicht die Gesamtheit der Phänomene erklären kann. Dabei handelt es sich um eine Religion, die weitgehend von Turken, Mongolen und Tungusen geteilt und heute noch praktiziert wird. Solche Überzeugungen waren nie fest oder vereinheitlicht. Um sie besser zu verstehen, sind sie wie divergierende Zweige mit einem gemeinsamen Stamm zu betrachten: Schamanismus, Totemismus und Polytheismus unter dem Einfluss von antischamanistischen, antitotemistischen und monotheistischen Tendenzen in seiner Vertretung von Tengri, den Haupthimmelsgott.

Heute findet man Vermischungen religiöser Ideen oder Philosophien zu einem neuen System. Die Formen ursprünglicher Naturreligionen vermischten sich mit dem Schamanismus. Die Völker Sibiriens standen schon in frühen Zeiten unter dem Einfluss anderer Religionsvorstellungen. Buddhismus, Islam und Christentum hatten durch Missionierung schon relativ früh Fuss gefasst. Der westliche Teil der turktatarischen Völker hatte bereits im 7. Jahrhundert erste Kontakte zum Islam. Formen eines Manichäismus hielten seit dem Einfall persischer Stämme Einzug. Grossen Einfluss übte das Mongolenreich im 12. bis im 17. Jahrhundert mit seinem Lamaismus aus. Eine frühe Missionierung gestaltete sich in solch abgelegenen Gebieten schwierig. Die Christen waren bei weitem nicht so dominant in ihrer Verbreitung wie die Moslems oder die Lamaisten. Heute zählen eine Mehrheit der Jakuten, Tataren und der Altaibevölkerung zu Christen. Dazu hat natürlich die Eroberung während des Zarenreiches beigetragen. Doch finden in Sibirien noch immer schamanistische Vorstellungen breite Akzeptanz. In seiner ursprünglichsten Form hat sich der Schamanismus bei den westlich lebenden Ewenken erhalten (Rentier-Ewenken, Solonen, Bargu-Ewenken). Eine Mischform einer Naturreligion mit Ritualen entstand unter den Altaiern, der Burchanismus – Ak Jang „Weisser Glaube“ (1) – der von Priestern zelebriert wurde. Diese verwarfen einen weit verbreiteten Schamanismus und huldigten einem Pantheon mit dem höchsten Gott "Burkhan".

  • (1) A.V. Anokhin lebte im Altai vom 1910 bis 1931. Während seiner Tätigkeit als Musiklehrer in Ulala (Gorno-Altaisk) untersuchte er aktiv Folklore, Musik und Religion der Altaier. Sein Werk, Materialy po Shamanstvu u Altaitsev, das in Leningrad im Jahre 1924 veröffentlicht wurde, bleibt eine vollständige und detaillierte Darstellung des Altai Schamanismus. Anokhin studierte auch „Ak Jang“ von 1910 bis 1930 und war in der Lage, dessen Entwicklungen zu beobachten. Das Manuskript ist Eigentum des Archivs des Instituts für Altaic Studies in Gorno-Altaisk. - „Ak Jang“ ist entstanden, um Schamanismus zu ersetzen oder zu ergänzen. Er versucht, beide Überlieferungen der Sonnenanbetung nach verschiedenen evolutionären Theorien der Religionswissenschaft des 19. Jahrhunderts zu verbinden.
  • (1) Die Arbeit von A.G. Danilin bleibt die einzige veröffentlichte Quelle, die sich sowohl mit der Theologie als auch der Praxis des „Ak Jang“ im Detail beschäftigt. Danilin erwähnt Manuskripte von A.V. Anokhin.
- weitere Informationen zum Burchanismus: siehe nachfolgend unter Altaier

Schamanismus
Der Schamanismus war ein Glaubenssystem, frei von Standards, im Gegensatz zu den heute bekannten charakteristisch fixierten Weltreligionen. Schamanen bedienten sich Schutz- und Hilfsgeister, die sie jeweils mit Gebeten und Gesängen zu Sitzungen anriefen und die sie um Hilfe baten, ihren Ritualen beizustehen und Lösungen zu suchen.
Allerdings wurde teilweise noch geglaubt, dass Schamanen nicht sterben können und auch nicht vom Himmel stammen, sondern von der Unterwelt geschickt werden.

- weitere Informationen zum Schamanismus: Religion der Urvölker Sibiriens
- weitere Informationen zum Schamanismus: Schmanisums (Tengerismus) in der Mongolei


Weltbild der frühen Völker
Die wichtigen Himmelsrichtungen der turktatarischen Völker sind nach Osten und Westen gerichtet. Diese Richtungen sind für Gebetszeremonien von Bedeutung und stehen in Bezug zum Sonnenlauf. Gegen Osten wendet man sich, wenn man Himmelswesen opfert (der oberen Welt), gegen Westen huldigt man unterirdischen Geistern oder Verstorbenen. Man spricht auch, wenn Seelen von Verstorbenen zum Wald gehen, dass sie nach Westen gehen.
Die mongolische Welt schaut von Norden nach Süden. Ihre Yurtentore (Gertore) sind nach Süden gerichtet. Der Süden wird "vorne" genannt und der Norden "hinten". Die Welt wird als ein Fluss gedacht, dessen Quellen im Himmel liegen und der durch die Welt der Völker fliesst. Daher sind Quellen „heilig“, und beim Vorbeigehen wird kurz angehalten und ein Gebet zelebriert. In Sibirien fliessen die meisten Flüsse Richtung Norden ins Eismeer, daher wird der Süden als oben und der Norden als unten gedacht. Das Gebirge am Ural wird als eine die Erde umgebende Gebirgskette vorgestellt, welche die feste Erdplatte vom Urmeer trennt. In Indien und auch in China findet man ähnliche Vorstellungen. Die Erdplatte wird auf dem Rücken einer Schildkröte getragen oder auf den Hörner eines Stieres. Altaivölker hingegen sprechen von drei Fischen.

Schon früh beobachteten Völker den Himmel und formulierten Mythen mit Bezug auf den Sternenhimmel. Eine Drehung um den Polarstern wurde schon sehr früh bemerkt, was somit für viele Völker ein Zentrum bildete. Der Himmel wird als ein Zelt gedacht, welches durch eine Achse mit der Erde verbunden ist. Die Parallelen zum Weltenbaum (Himmelsleiter) werden aufzeigt. Dieser Weltenbaum stellt symbolisch einen entasteten Birkenstamm dar. Dieser steckt mit seinen Wurzeln in der Erde und ragt mit der Krone zum Himmel, diese wird mit einem Rauchabzug mit dem Himmelszelt verbunden gedacht. Der Stamm dient als Leiter bei Ritualen für Schamanen, wenn sie während einer Trance zur oberen Welt aufsteigen. Dabei muss man mehrere Himmel durchqueren, um zum höchsten Gott zu gelangen. Die Himmel werden dabei meist durch Kerben im Stamm als Stufen oder Hindernisse gekennzeichnet. Weitere Vorstellungen sind vorhanden, wie die eines Weltenberges. Dabei handelt es sich um eine ursprüngliche Überlieferung aus Indien. Obwohl man das Altaigebirge selbst als heiligen Berg verehrt (Schangria La) und man ihn als Fürst bezeichnet, kann er doch nicht mit diesem Weltenberg Meru gleichgesetzt werden. Viele sibirische Völker bezeugen grossen Respekt zum Donner. Typisch für die Altaivölker war der Brauch, sich beim ersten Donnergrollen im Jahr dorfweise auf einem Berg zu versammeln und zur Besänftigung in alle vier Himmelsrichtungen Stutenmilch zu vergiessen. Typisch ist auch die Vorstellung vom Zauberstein, mit dem der Jäger nach Belieben das Wetter zu verändern vermag. Bei den Altaivölker heisst dieser Stein „jada-tas“, der, wenn er sorgsam aufbewahrt wird, bis zu drei Jahre lang seine Kraft behält. Jagdzauberriten sind in Sibirien weit verbreitet. Insbesondere versucht man, seine Absichten bei der Jagd nicht laut auszusprechen, damit das Wild nicht aufgescheucht wird. Vor einer Jagd hat man um Erlaubnis gebeten, Tiere zu erlegen. Anschliessend hat man sich entschuldigt. Eine verbreitete Sitte war auch, dem erlegten Tier die Haut um die Lippen und die Nüstern abzuschneiden, damit das tote Tier nicht die Witterung seiner Peiniger aufnehmen kann und so der Jäger seiner Rache entkommt. Besonderer Respekt galt dem Bären, über welchen man nie Böses sprechen sollte, um nicht seinen Unmut auf sich zu ziehen. Ebenso Respekt zeugen Menschen dem Feuer. Es gilt als „heilig“, und niemand darf etwas Unreines oder Übelriechendes hineinwerfen, was den Glanz des Feuers mindern könnte. Das Feuer darf auch nicht mit Wasser gelöscht werden. Verbreitet waren Opferzeremonien, die den Geistern an heiligen Orten dargebracht wurden. Jedes Geschlecht verehrt in seinem angestammten Gebiet ihnen wohlgesinnte Berge, Flüsse, Seen oder andere Landschaftselemente, die man in gewisser Weise als beseelt betrachtet und die als Beschützer der Gegend gelten.
Wie der Mensch haben auch jedes Tier und jeder Baum einen Herren (Geistbesitzer), sie sind beseelt und besitzen den sogenannten "öjä'. Allgemein wurde in diesem Animismus die ganze Natur als beseelt betrachtet. Es herrschte die Auffassung, die Erde würde verletzt, wenn man sie mit einem Messer bearbeitet oder das Gras herausreisst; dies hatte aus diesem Grund bei Nomadenvölkern erhebliche Vorurteile gegenüber einer Entwicklung zum Ackerbau hin hervorgebracht. Man trägt Stiefel, die an der Spitze nach oben auslaufen, um ja nicht die Erde zu verletzten. Der Steinhaufen am Wegrand, "Ovoo", wird für die regionalen Geistern errichtet. Mit einem mitgebrachten Stein, der beigefügt wird, bittet man diese um den Segen für eine gute Weiterreise.
Verbreitet ist der Glaube, dass eine der Seelen sich ausserhalb des Körpers bewegen kann, z.B. in Träumen. Sie sind ähnlich einem Schattenwesen (Geist). Die Aufgabe des sibirischen Schamanen besteht darin, solch verloren gegangene Seelen in ihren Körper zurückzuholen. Solch ein Seelenverlust tritt z.B. bei Schockzuständen oder auch bei Krankheit ein. Geister, die Menschen belasten, d.h. für sein Unwohlsein oder seine Krankheit verantwortlich sind, müssen verbannt werden. Diese werden in eine geschnitzte Holzfigur gelockt und bleiben darin sitzen. Altaivölker glauben auch, wenn die Seele binnen 7 Jahren nicht zurückkehrt, dann trete unweigerlich der Tod ein. Die Seelen der Toten gehen in den Wald, ins Totenreich, Richtung Westen, wo die Seelen im Totenreich mit früher Verstorbenen verweilen. Verstorbene werden bewacht, und es werden auch Totenklagen vorgetragen, bis die Seele aus dem Körper tritt, d.h. nach 7 Tagen. Ebenso besteht der Glaube an eine äussere, zweite Seele, die meist in Tiergestalt vorgestellt wird und die besonders bei Schamanenzeremonien eine bedeutende Rolle für Hilfeleistungen spielt.
Der Schutzgeist der Altaivölker heisst "jajuci" und begleitet die Menschen auf der rechten Schulter sitzend ein Leben lang; daneben gibt es den auf der linken Schulter sitzenden bösen Geist "kormos". Diese beiden schreiben die guten und bösen Taten des Menschen während seines Lebens auf. Bei Begräbniszeremonien wird darauf geachtet, sich möglichst nicht umzudrehen, um zu verhindern, dass sich die Seelen der Verstorbenen anderer bemächtigen. Gegenstände des Toten, oder solche mit denen er zuletzt in Berührung gekommen ist, werden zerbrochen und dem Grab beigegeben, damit sie bei den Hinterbliebenen keinen Schaden anrichten können. Schamanen wurden meist in Baumsärgen auf Holzpfählen bestattet und verbrannt, da man glaubte, die Seele des Schamanen könne den Körper nicht verlassen, wenn dieser in der Erde bestattet wird. Dies ist notwendig, da man sich die Schamanenseele als Vogelwesen vorstellt, welche zu gegebener Zeit zurückkehrt, um einem Verwandten beizustehen. Damit wird dessen Berufung, den Schamanenberuf auszuüben, bestimmt und von dieser Schamanenseele begleitet. Den Schamanenberuf kann man nicht lernen, es ist eine Begabung und wird durch das Schicksal bestimmt, dem man nicht entkommen kann. Der Auserwählte zeigt oft schon im frühen Kindesalter Trancezustände, eine Art epileptischen Anfall. Der Betroffene ist während dieser Zeit von einem Geist behaftet, durch den er auch die Instruktion übermittelt erhält. Je nach seelischer Kraft besitzt ein Schamane ein bis mehrere Hilfsgeister, die ihn bei Sitzungen unterstützen und deren Fähigkeit er im Trancezustand übernimmt.
Die Form einer Baumbestattung mit Verbrennung dürfte für die Altaivölker aus früher Zeit allgemein üblich gewesen sein, da sie aus einem uralten Ritual entstand. Eine Bestattung in Hügelgräbern muss sich eindeutig später entwickelt haben und darf einer
skythisch-griechischen Kultur zugeordnet werden, deren bekannteste Grabfunde wohl die eines Hunnenfürsten in Noin-Ula bei Urga sind.

Shambhala-Mythos

Bei diesem Mythos handelt es sich um eine in der lamaistischen Welt scheinbar noch heute recht verbreitete Erwartung einer messianischen Erscheinung des letzten Herrschers von „Shambhala (sham-bha-la) des Nordens“ (Altairegion), einem mythischen Land irgendwo weit im Norden von Tibet, einem »Land der Ruhe«, welches besonders mit der vom Vishnuismus beeinflussten Kalachakra-Tradition verbunden ist. Nach gewissen Prophezeiungen als Wiederverkörperung des Tashi-Lama (Pan-schen Lama) sollen die lamaistischen Völker zu einer Zeit, wenn der Lamaismus darniederliegt, zum letzten und entscheidenden Gefecht gegen die Feinde ihres Glaubens geführt werden. (In einem besonderen Gebet bitten die Gläubigen, in einem zukünftigen Leben in den Heeren Shambhalas gegen die Verächter des Dharma mitkämpfen zu dürfen.) Der Shambhala-Mythos ist eine Adaption des frühen Hindumythos von Kalki von Sambhala (Shangri-La), der in Mahabharata und Puranas zu finden ist. Dieses wird als ein buddhistisch gesehen reines Land gesehen, ein fabelhaftes Königreich, dessen Reaktion visionär oder spirituell ist, ebenso wie physisch und/oder geografisch. Diese Shambhala-Auffassungen unterscheiden sich von jenen Vorstellungen, die mit der Erwartung der Wiederkehr des Heldenkönigs Gesar Chan verbunden sind.
Gesar, nach einer über 170 Jahre alten Schreibung auch Geser Chan, ist ein epischer tibetischer König, dessen Heldentaten in Gesängen vorgetragen werden, in ihrer Gesamtheit Gesar-Epos genannt. Dieses Epos gilt als einer der grössten Epenzyklen. Diese Erzählungen enthalten das Grundmotiv vom Kampf des guten tibetischen ehemaligen Herrschers Gesar, auch Kesar bzw. Geser (Geser-Chan), der als Mensch geboren wird, jedoch viele göttliche Fähigkeiten hatte, gegen das Böse in der Welt. Seine kriegerischen und listenreichen Taten werden in ganz Zentralasien von Ladakh bis in die Mongolei und die Region Burjatien getragen, besonders aber in Osttibet, in der Form von Gesängen, daher wird es meist Gesar-Epos genannt. Das Epos ist umfangreich und nimmt seinen Anfang mit der Entstehung der Welt und wurde wahrscheinlich auch für Aufführungen über mehrere Tage hinweg konzipiert. Erzählt wird darin von der Rückkehr des Heldenkönigs mit einer Frieden schaffenden Armee.

- mehr Informationen Legenden zu Gesar

Bön – Bon
Vorherrschende Religion in Tibet, bevor im 8. Jahrhundert der Buddhismus ins Land gelangte. Der Name bedeutete für die Anhänger so viel wie „Wahrheit, Wirklichkeit“ und „Wahre Lehre“, wobei auch ein solches Shambhala „Olmolungring“ genannt, bekannt war. Mit dem Vordringen des Buddhismus in Tibet kam es zu einer gegenseitigen Beeinflussung der Religionen, wobei aus dem Bön vorwiegend schamanistische Elemente in den Buddhismus gelangten. Der so genannte alte Bön bezieht sich auf vorbuddhistische Riten und religiöse Anschauungen, deren System sich sowohl vom Buddhismus als auch vom späteren Bön stark unterscheidet. Während der spätere Bön z.B. die Lehre von Karma und Reinkarnation angenommen hat, spielte im frühen Bön das Leben nach dem Tod eine grosse Rolle, so dass Begräbnisriten besonders wichtig waren. Dabei spielten beseelte Naturphänomene (vgl. Animismus) und deren Beherrschung oder Besänftigung durch magische Rituale eine wichtige Rolle. Es gab ein eigenes Pantheon von Göttern, Geistern, Dämonen und anderen Wesen, die in Ritus und Kult eine wichtige Rolle spielen. Die magischen Rituale des Bön drehen sich z.B. um Tranceerlebnisse, Opfer an die Götter, Wahrsagungen, Reisen in die Unterwelt, Wetterzauber, den medialen Kontakt zu Geistern und die Abwehr von Dämonen. Ihre Mysterienspiele, in denen Maskentänze (Cham-Tänze) und Gesänge aufgeführt wurden, sind vom Buddhismus übernommen worden; ebenso auch der Phurbas, der magische Dolch. Verbreitet waren damals schon Amulett und Talisman, sog. Glücksbringer, die auch als Schmuck getragen wurden. Fadenkreuze, Mdos, werden als Geisterfallen hergestellt, um Häuser zu beschützen. Da Bön ursprünglich eine Zauberreligion war, beziehen sich auch viele detaillierte Erzählungen (Mythen) oder Traktate, die auch rituell rezitiert wurden, auf die Ursprünge von Magie und Zaubergerätschaften. Heiligen Orte sind nicht nur reale, sondern auch spirituelle Orte und haben eine grosse Bedeutung in der Bön-Mythologie. Der Kailash ist der Sitz der Himmelsgötter, Mittelpunkt der Welt und verbindet Himmel und Erde.

Kurgane – Grabfelder
Im 6. - 2. Jahrhundert v. Chr. war die Pazyryk-Kultur in Südwestsibirien beheimatet. Typisch sind Graberfelder „Kurgane“: diese waren aufgeschüttete Steinhaufen, in denen Mensch und Pferd mit Grabbeigaben in Baumsärgen beigesetzt wurden. Vorzüglich erhaltene Überreste konzentrieren sich vor allem auf die Tujekta-Baschadar-Pasyryk-Kultur im Nordaltai. Dabei handelt es sich vermutlich um Königs- oder Fürstengräber auf dem Ukok-Plateau (siehe Foto), sie liegen 3 m tief im Permafrostboden. Durch eindringendes Wasser, welches gefror, bildete sich eine dicke Eisschicht über den Gräbern von Ak-Alacha ,unter der sich Materialien wie Holz, Leder, Wolle und natürlich auch menschliche Überreste erstaunlich gut erhalten haben. Bei Ak-Alacha handelt es sich um die höchstgelegene archäologische Stätte im Altai. In tiefer liegenden Gebieten bildeten sich lediglich Frostlinsen in den Grabkammern, die aber nicht über eine Steinaufschüttung hinausragten.
Geographisch liegt das Ukok-Plateau, eine ausgedehnte Hochebene auf 2500 m, ganz im Süden des Bergaltai. Es grenzt an die westliche Mongolei, den Westen Chinas und an Ostkasachstan. Der Gebirgszug des Tabyn-Bogdo-Ola, die sogenannten fünf heiligen Berge, trennen die Länder voneinander. Seit jeher wurde das Ukok-Plateau von seiner baum- und strauchlosen Vegetation geprägt sowie von zahlreichen Sümpfen und Seen, wobei es von nomadisierenden Viehzüchtern als Winterweide genutzt wurde. Wenn in den Wintermonaten im Tal eine dicke Schneedecke liegt, ist es auf dem Ukok-Plateau dank des starken Windes weitgehend schneefrei, so dass Vieh und Pferd genug Futter finden. Die Menschen verbrachten den Winter in Holzhütten aus Lärchenholz und legten eingezäunte Gehege für ihre Tiere an. Neben den Siedlungen wurden die Toten in Hügelgräbern beigesetzt. Die grosse Anzahl der Gräber aus der Pazyryk-Zeit auf dem Ukok-Plateau weist auf eine grosse wirtschaftliche Bedeutung der Weiden sowie auch auf eine lang dauernde Nutzung als sakrales Territorium hin, für den Totenkult.
Dem widersprechen allerdings dendrochronologische Untersuchungen (Lehre vom Baumalter) der Baumstämme aus den Gräbern. Diese ergaben eine relativ kurze Belegung der Grabstätte von 100 Jahren. In den Steinsetzungen, die immer im Westen der Kurgane lagen, findet man Tierknochen und Spuren von Feuerstellen, im Osten oftmals eine Reihe senkrecht eingegrabener Steinplatten, die möglicherweise zum Anbinden von Pferden dienten.

Weitere Kurgane fand man in Kudyrgé, das im östlichen Altai am Chulyschman Fluss unweit vom Zusammenfluss des Baskaus liegt. Das Tal ist reich an Wild, und am Flusslauf findet man Eisenerz und Kupfer. Trotz des spärlichen Graswuchses wurden an den Hängen der bis 3000 m aufragenden Berge Pferde- und Viehzucht betrieben. Im Tal konnten Bewässerungssysteme ab dem 7. Jahrhundert v. Chr. nachgewiesen werden. Auch häufig vorkommende steinerne Einfriedungen rund um das Graberfeld Kudyrgé lassen auf eine intensive Besiedlung zwischen dem Pass Kotu-Jaryk und dem Dorf Balaka schliessen. In Kudyrgé findet man Steineinfriedungen und Gräber aus altturkischer Zeit (6. - 7. Jahrhundert n. Chr.), ausserdem auch Bestattungen aus mongolischer Zeit (13. - 14. Jahrhundert n. Chr.). Im Ukok-Plateau wurden Menschen mit dem Kopf in Richtung Nordost liegend bestattet, in Kudyrgé aber in Richtung Süden. Auch die Konstruktion des Bogens und der Köcher war aus Ulmenholz. Grabbeigaben weisen darauf hin, dass diese Menschen aus dem Süden, möglicherweise dem Tien Shan, zugewandert waren. Auch findet man hier keine aufrechtstehenden Steine. Die gleichartige Fertigung des Pferdegeschirrs zeigt Verbindungen unter diesen Kulturen. Diese Technik bestand schon in vorchristlicher Zeit und war in allen Gräbern zu finden.

Ak-Alacha umfasst 6 Kurgane und Steinsetzungen für Totenkult. In den Steinsetzungen, die immer im Westen der Kurgane liegen, findet man Tierknochen und Spuren von Feuerstellen. Im Osten oft eine Reihe senkrecht eingegrabener Steinplatten, die sogenannten Balbal.
Die fast quadratische Grube ist mit Holz verschalt. Damit die Wände nicht einstürzen, wurden diese nach der Bestattung mit Steinen verstampft. In den Grabkammern finden sich Pferde, einzeln oder zu mehreren, mit kompletter Ausstattung mit Zaumzeug und Satteldecken, sowie auch Pferde in Gesellschaft von Menschen, als Grabbeigaben allerlei Schmuck und Waffen. Besonders auffallend und typisch für diese skythische Periode sind Spiegel, die wahrscheinlich auch bei dem Paar in Ak-Alacha als Zeichen eines Ehepaares gedeutet werden können. Solche Spiegel waren in China sehr populär. Während der Skythenzeit war ein Brauch verbreitet, dass ein Paar nacheinander in einen Spiegel schaut, um damit die Ehe zu besiegeln. Eine grosse Anzahl von Kauri-Muscheln in dem Frauengrab deutet auf Wohlstand hin: diese waren möglicherweise in Zöpfen in die Haare der Frau eingeflochten, so wie es bis vor nicht allzu langer Zeit im Altai noch zu beobachten war. Die Muscheln waren aber auch ein Attribut der türkischen Göttin „
Uma“ in ihrer Funktion als Fruchtbarkeitssymbol. Als Schmuck findet man oft Tierdarstellungen wie Schneeleoparden, Wildschwein oder Vogeldarstellungen, aus Holz geschnitzt und mit Goldfolie überzogen.
Besonders charakteristisch sind Mützen, die in den Gräbern gefunden wurden, mit Darstellungen von Pferd, Steinbock und Vogel. Sie waren aus rotem Filz gefertigt, mit einer hochstehenden Spitze, auf die meist eine Pferdefigur aus Holz aufgesteckt war. Die stehende Spitze war durch eine Holzkonstruktion unterstützt, wie man sie sonst nirgends bei den Spitzmützen fand. Im Allgemeinen dürfte ihre Kleidung aber ähnlich anderer aus dieser skythischen Periode gewesen sein.
Eine Fischornamentik war typisch und nur im Altai zu finden. Dieses Ornament ist gegenüber der skythischen Ikonographie sehr unterschiedlich dargestellt. Fischdarstellungen aus der Pazyryk-Kultur geben den Nalim oder Lota-lota als Abbild wieder. Dies ist ein Raubfisch, der immer in der gleichen Weise dargestellt wurde, mit drei Flossenpaaren und von oben betrachtet – siehe Skizze Fisch. Dieser Fisch spielt in der sibirischen Mythologie als Urahne eine bedeutende Rolle und wirkt in den Schamanenmysterien zur Heilung von Kranken.

- siehe mehr Informationen unter: Hügelgräber und Kultstätten der Steppenkulturen

Völker Sibiriens
Die grösste Gruppe sind die ugrischen Völker, die Westsibirien bevölkern: die Chanten, Mansen, Wogulen und Ob-Ostjaken, die in den bewaldeten Weiten leben. Ihre Nachbarn sind die Samojeden, Nenzen und Selkupen. Sie alle gehören zur uralischen Sprachfamilie, welche alle samojedischen und finno-ugrischen Völker umfassen. In den Steppen und Waldsteppen Südsibiriens siedeln turksprachige Völker, zu denen auch die von den Turken assimilierten Ureinwohner zählen, die früher der Sprachfamilie aller samojedischen, tungisischen oder paläosibirischen Völker angehörten. Unter ihnen sind Turkstämme wie die Altaier (Altai-Kizhi), die Chakassen und Tuwinen zahlenmässig am stärksten. Zur altaischen Sprachfamilie zählen alle turk-tatarischen, mandschu-tungusischen und mongolischen Sprachen. Die Jakuten gehören auch zu den Turkvölkern, sind aber vom oberen Jenissei in den Norden abgewandert, vor dem Einfall der Mongolen im 13. Jahrhundert n. Chr.
In der Taiga und Waldtundra östlich des Jenissei durchstreifen seit je her die Waldjäger und Rentierzüchter, die Ewenen (Lamuten) und Ewenken (Tungusen) die offenen Ebenen. Die zahlenmässig stärkste Gruppe der ostsibirischen Bevölkerung neben den
mongolisch geprägten Burjaten im Baikalgebiet bilden die Amurvölker: die Nanai, die Ultschen und die Giljaken. Sie gehören wie die im Nordosten Sibiriens lebenden Tschuktschen, Korjaken und Ainu und Jukagiren zu den paläosibirischen Völkern, die Nachkommen einer Urbevölkerung sind. Eine kleine Gruppe in Zentralsibirien, die Isolierten einer tibeto-burmanesischen Sprachfamilie angehören, bilden Überreste einer Ur-Bevölkerung: die Keten. Im 17./18. Jahrhundert n. Chr. waren sie am Westufer des oberen Jenissej noch zahlreich vertreten durch Stämme wie die Kotten, Assanen und Arinen. Neben den Keten und Altaiern gelten noch fast 30 weitere Völker als Kleinstminderheiten, die vom Aussterben bedroht sind.
- siehe mehr Informationen zu den Nördlichen Völker „Indigene Völker Sibiriens
- siehe Karte „Indigenous people of Siberia

Sprachentwicklung im Sibirischen Raum – Proto-Uralisch
Das Bild, das wir heute haben, wurde durch mehrere Vergleiche über Generationen erarbeitet. „Uralisch“ wird als Sprachfamilie verstanden, deren Mitglieder ursprünglich einer einheitlichen Ursprache angehörten, deren Trennlinie innerhalb einer Familie mit finno-ugrisch im Westen und samoyedisch im Osten verlief. Sie umfassten ein Gebiet zwischen Fennoskandinawien (Baltische Region) und einem östlichen Gebiet in Sibirien (Baikal-Region). Die wahrscheinlichste Urheimat für das Samojedisch-Uralische könnte das Territorium zwischen den Flüssen Ob und Jenissei in Sibirien sein. Diese Gruppen war untereinander nicht „ganz einheitlich“, sondern dialektisch diversifiziert, wie jede natürliche Sprache. Dabei gab es Verzweigungen innerhalb einer Familie, wie etwa das Samojedische mit seinen unmittelbaren westlichen Nachbarn, dem Khantischen, Mansischen und Permischen im östlichen Ural. Obwohl erkannt wurde, dass im Uralischen eine gültige Einheit vorhanden war, gibt es viele Details dieser Sprachgemeinschaft, die immer noch ungelöst scheinen, vorab die Fragen der Datierung und ihrer Lokalisierung.

Heute kennt man 6.000 bis 7.000 gesprochene Sprachen, und diese haben 400 bis 500 getrennte Linien oder Familien. Das Uralisch mit seinen 30 bis 40 Sprachzweigen war etwas grösser als eine durchschnittliche Familie. Aufgrund der Anzahl von Sprechenden war es eine relativ kleine Einheit im Hinblick auf seine territorialen Ausdehnung, aber eine der grösseren Familien auf unserem Planet und eine "alte" Familie, was heisst, dass sie vor langer Zeit gebildet wurde.

Eine der grossen ungelösten Fragen im Zusammenhang mit der menschlichen Sprache ist, wie diese sich in prähistorischen Zeiten entwickelt hatte, in einer Jäger- und Sammler-Gesellschaft innerhalb der borealen Zone in Zentral- und Eurasien. Ein entscheidender Faktor einer solchen Veränderung scheint zumindest bei vielen "alten" Sprachfamilien zu sein, dass eine sogenannte Evolution, die eine schnelle Entwicklung innerhalb der Wirtschaftlichkeit mit zunehmendem Wohlstand, vor allem Landwirtschaft und Viehzucht darstellt, zu finden ist, und damit verbunden eine anschliessend enorme Bevölkerungszunahme und soziale Umschichtungen. Es ist besonders wichtig zu beachten, dass die Bildung heutiger grosser Sprachfamilien nicht notwendigerweise auf Völkerwanderungen oder Katastrophen zurückzuführen sind. Hauptprozesse fanden durch sprachliche Assimilationen oder Sprachwechsel statt, in welchen eine sprachliche Vielfalt nach und nach zu Gunsten einer expansiven Familie verloren gegangen war. Verloren gegangen ist somit eine genetische Vielfalt, das heisst die Anzahl der Zweige einer Sprachfamilie, während die Zahl der getrennten Sprachen relativ stabil blieb. Demzufolge waren in prähistorischen Zeiten viele Sprachen zu finden, wie wir heute erkennen können; wobei man annimmt, dass die Gesamtbevölkerung in der Jungsteinzeit ein paar Millionen erreichte, vielleicht sogar noch viele mehr. Dies dürfte eine vernünftige wenn auch ungenaue Schätzung sein, wenn man davon ausgeht, dass die durchschnittliche Sprachgemeinschaft aus rund 500 Menschen bestanden hatte. Es könnten aber gut 10.000 gesprochene Sprachen in der Zeit vor dem Ausbau der heutigen uns bekannten Sprachfamilien existiert haben. Es ist schwierig zu schätzen, wie viele Linien diese prähistorischen Sprachen hatten, doch die Zahl muss grösser gewesen sein als heute, da die Bedingungen für sprachliche Expansionen weniger günstiger war. Alle prähistorischen Sprachen hatten grundsätzlich die gleiche Chance in ihren Linien von Vorfahren bis zu Überlebenden der Gegenwart, aber nur sehr wenige von ihnen waren erfolgreich. Der Hauptgrund ist, dass sie durch den Ausbau vorhandener Sprachfamilien ausgelöscht wurden. Man könnte auch sagen, dass alle prähistorischen Sprachen, so wie heute, unter der ständigen Bedrohung des Aussterbens standen. In diesem Sinne war Uralisch eine 'gefährdete' Sprache gewesen, bis ihre Expansion ihren Ausgang nahm.

Was jedoch eine unbestrittene Tatsache ist, ist, dass uralische Sprachen mit den sogenannten Altaischen Sprachen, darunter wird Turkisch, Mongolisch, Tungusisch, Koreanisch und Japanisch verstanden, zu einem trans-eurasischen Gürtel gehörten. In diesem Falle gibt es Parallelitäten zu ihrer Nachbarschaft, so dass wir von einem ural-altaischen Sprachraum sprechen können. Abweichungen treten vorab nur zum prototypischen Ural-Altaischen, und dies nur in einzelnen Zweigen, besonders im Westen zum Finnischen, Samischen und im Norden zum Samojedischen, auf; im Osten zum Koreanischen und Japanischen, aber die grundlegende typologische Ausrichtung ist dennoch innerhalb dieses transkontinentalen Gürtels zu beobachten. Der Ural-Altaische Gürtel kennt klare Flächen, die einen Sprachtyp in Bezug auf seine Nachbarn abgrenzen, sowohl im Norden mit dem Jukagirischen, Kamtschukotischen, im Süden zum Indo-Europäischen, Sino-Tibetischen als auch im äussersten Osten zum Ghilyakischen der Niwchen, Ainuischen. Dem Rande entlang des Ural-Altaischen Gürtels können wir auch Beispiele für schrittweise Angleichungen beobachten, wie im Fall der Nordchinesen oder von mehreren turkischen und mongolischen Stämmen in der Amdo Qinghai-Region.
Es muss darauf hingewiesen werden, dass es auch flächenmässig und typologisch Parallelen gegeben hat, mit einem Bezug zum Uralisch und dessen nicht ural-altaischen Nachbarn, vor allem mehr zum Indo-Europäischen. Wichtig sind sowohl uralische und indo-europäische Familien als auch turkische, mongolische, tungusische, jukagirische, amurische (ghilyakische) und kamtschukotische Sprachen; sie alle gehören einer sogenannte Mitian Sprache an, in welcher die Wurzeln der Personalpronomen, wie sie in vielen Sprachen auch für persönliche Marker verwendet, enthalten waren.

Diese Sprachgemeinschaft unter der Uralisch sprechenden Bevölkerung war mit einer Vielzahl von aussersprachlichen Faktoren verknüpft, verbunden mit wirtschaftlichem und Bevölkerungswachstum, geprägt durch kulturelle und politische Umstände. Wenn nur Zahlenverhältnisse berücksichtigt werden, müssten wir zu dem Schluss kommen, dass das ursprüngliche Uralisch dem modernen Ungarischen sehr nahe stand. Wir wissen jedoch, dass die ungarische Lautsprache einen lokalen Komplex darstellt, durch den physischen Kontakt mit dem Zentraleuropäischen. Diese Besonderheiten sind auch in den Nachbarsprachen vorhanden, einschliesslich dem Rumänischen, Serbischen und Slowakischen. Es gibt kaum eine Uralisch sprachige Bevölkerung, die weiter von diesem Proto-Uralisch physisch entfernt zu finden ist als die Ungaren. Nehmen wir ein ähnliches Beispiel aus einer anderen Sprachfamilie: Türkisch ist heute die "grösste" Turksprache in Bezug auf die Anzahl an Sprechenden. Dadurch könnte schnell die falsche Implikation entstehen, dass die modernen Türken in der Türkei eine physisch gesehen "Original"-Art der Turkisch Sprechenden darstellen. Nichts könnte weniger wahr sein, denn in Wirklichkeit wurde Turkisch erst in der zweiten Hälfte des ersten Jahrtausends vor Christus gesprochen, und zwar von einer überwiegend "asiatischen" Bevölkerung, die die heutige Region der Mongolei besiedelte. Aufgrund der demografischen, kulturellen und politischen Umstände breiteten sich die Turksprachen in Zentral- und Eurasien anschliessend bis in die Türkei aus, während in der Mongolei diese selbst durch die Ausdehnung der mongolischen Sprachfamilie an den Rand gedrängt wurde. Man könnten sagen, dass die modernen Mongolen in der Mongolei mehr oder weniger direkte Nachkommen der alten Turken sind, während die modernen Türken in der Türkei eine mehr oder weniger direkte Fortsetzung einer alten lokalen Bevölkerung von Anatolien vertreten, die historisch eine Reihe von nicht-türkischen Sprachen enthielten: das Hattische der Hethiter oder das Armenische und das Byzantinisch-Griechische.

Um genau zu sein, wir wissen nicht, ob eine erste Entstehung einer proto-uralischen Sprache auch eine sich nach Westen abzweigende Familie enthalten hat, es ist aber auch möglich, dass sich eine proto-samojedische Familie ostwärts bewegte, während ein proto-finno-ugrische Familie in einer ursprünglichen Position erhalten blieb.
Bemerkenswert ist, dass sich im Minusinsker Becken am Oberen Jenissei erstmals eine proto-samojedische Sprache gebildet haben könnte. Dieses Gebiet stellt eine kompakte Region mit einer aussergewöhnlich gut dokumentierten
Abfolge von archäologischen Kulturen dar, die sich von der Kupferzeit über die Bronze- und frühen Eisenzeit mit Kulturen einer Afanassiewo (3500-2500. v. Chr.), Okunewo (2500-2000 v. Chr.), Andronowo (2000-1400 v. Chr.), Karasuk (1500-800 v. Chr.), Tagar (900-600 v. Chr.), Pazyrik (600-200 v. Chr.) und Tashtyk „Hunno-sarmatischen“ (100 v. Chr. - 200 n. Chr.) bis zu den Jenissei-Kirgisen (ab 400 n. Chr) und den Mongolen (ab 1300 n. Chr.) und später den Eroberungen des russischen Zaren (ab 17. Jahrhundert n. Chr.) hinzieht.

Ohne auf die Frage nach der Möglichkeit einer proto-uralischen Präsenz im Minusinsker Becken einzugehen, ist es relativ sicher, dass eine ethnolinguistische abfolgende Geschichte der Region in rückwärtiger Reihenfolge zu betrachten ist, bis zur Ankunft des Turkischen (später Jenissei-Turkischen), die mit einer Tashtyk (oder Hunnischen) Periode in der Region beendet wurde. Die historische Verteilung der lokalen ethnolinguistischen Gruppen weist stark darauf hin, dass die dominante Sprache im Minusinsker Becken vor der Turkischen Lingua die Sprache der Tashtyk Kultur war, davor die Sprache der Tagar Kultur; wobei diese samojedische Elemente gehabt haben muss (Proto-Samojedisch). Viel spekuliert wurde über die mögliche sprachliche Identität der Karasuk, Andronowo, Okunewo und Afanassiewo Kultur, worüber nichts mit Sicherheit behauptet werden kann. Auch indogermanische Elemente im Samojedischen könnten darauf hinweisen, dass eine frühe Form einer östlichen indo-europäischen (Proto-Tocharischen) in der Region präsent war, entweder davor oder parallel zur Samojedischen Kultur.

- weitere Informationen siehe: Archäologische Funde der Steppenkulturen – aus dem eurasischen und zentralasiatischen Raum

Die südlichen Völker

Burjaten
Burjaten (auch Buriaten genannt), Nachfahren mongolischer Stämme, bilden heute die grösste Gruppe, die auf einer Fläche von der Grösse Deutschlands im ostsibirischen Raum siedeln. Die Hälfte lebt in der heutigen Republik Burjatien, der Rest in autonomen Gebieten in der Nähe von Irkutsk, in der Mongolei und in Nordchina. Ursprünglicher Lebensraum vor deren Ausbreitung war die Insel Olchon am Baikalsee, auf der heute noch eine extensive Schafwirtschaft betrieben wird. Ihre Kleidung ist der Chalat, ein weiter, bunt bedruckter Mantel aus Seide oder leichter Baumwolle. Dazu trägt man weiche Schafstiefel und einen spitzen, kegelförmigen Filzhut. Nationalspeise ist ein Gericht namens Posy, mit Hackfleisch gefüllte Teigtaschen. Unterkünfte der Burjaten waren 6- bis 8-eckige Einraum-Blockhäuser, die einer Jurte nachempfunden waren. Die Burjaten waren bis anhin einem Schamanismus verbunden, später folgte ein Übergang zum Buddhismus.
- siehe mehr Informationen zu den Burjaten
- siehe mehr Informationen unter:
Oiraten - Burjaten
- siehe mehr Informationen zu den Siedlungen - siehe Karte

Tsaatan oder Dukha
Geisterverehrungen im Darkhat Valley in der Nordwest-Mongolei

Die nomadische Kultur, die in der Bronzezeit entstanden ist, hat eine dreitausendjährige Geschichte. Sie ist geprägt von Viehzucht mit Winter- und Sommerweiden und der Jagd von Wildtiere. Religiöse Praktiken an heiligen Plätzen sind bis in die Gegenwart erhalten geblieben. Siedler konstruierten grossartige bleibende Denkmäler, wie solche aus der Bronzezeit: Khirigsuurs (1), Hirschsteine (2), Steinmänner ('Balbal' - 3) und Steine mit Inschriften. Moderne Nomaden in der Mongolei, ihre zentralasiatischen und sibirischen Nachbarn, haben allgegenwärtige Ovoo (4) - Steinhaufen oder Tipis aus Stäben und Stöcken auf Pässen und an Strassenkreuzungen erstellt, oder an schwierigen Durchgängen platziert und auch an Quellen, um damit den Geist-Meister (Herr des Ortes) solcher Orte zu ehren. Ovoo ändern und wachsen mit jedem Besucher, der Steine, Stöcke oder andere Objekte hinzufügt. Dieses Ritual wird mit dreimaligem Umkreisen in Richtung Uhrzeigersinn durchgeführt, um für Glück zur Weiterreise zu bitten. Es ist nicht klar, ob heute lokale Siedler dieses Ovooritual in einer Geisterverehrung beibehalten haben oder im Aberglauben weiterführen.
Es gibt Denkmäler oder Orte, wichtige und manchmal eher vergängliche, an denen aktiv nur an einem bestimmten Tag oder in einer bestimmten Situation zelebriert wird, dazu gehören etwa Geisterverehrungen mit Ongons oder mit anderen heiligen Objekten. Ongons, damit ist symbolisch ein Haus oder Ort gemeint, wo solche Geiser oder Seelen von Verstorbenen wohnen. Ongonzeichen werden gleichmässig auf "unberührte" oder „ungeschnitte“ Mähnen am Widerrist bei Pferden oder mongolischen Kleinpferden angebracht; wie Bänder als Seters, gefüllte Tücher oder aus geschnitztem Holz, Knochen oder Steinfiguren, die Geister zu halten vermögen; die in solchen eingezäunten Asars (Plätzen) zur Verehrung von toten Schamanen oder in von der Gemeinschaft ausgewählten und gehaltenen heiligen Stätten oder Zeremonienplätzen. Selbst einige aus der Bronzezeit erstellte Hirschsteine oder Steine solch turkischer Männer (Balbal) werden derzeit als Ongons verehrt. Sie werden mit buddhistischen Gebetstüchern, Khadags (zeremonieller Schal aus Seide, meist blau) oder mit gelber Salbung dekoriert. Auch Reste von verbranntem Weihrauch oder Tierknochen werden an ihren Fuss gelegt.

  • (1) Khirigsuurs
    - Die Khirigsuurs waren grosse und komplexe Ritualplätze, wichtige Merkmale in der Landschaft aus der Bronzezeit. Sie haben eine Struktur mit zentralem Hügel, umgeben von einem runden oder quadratischen Rahmen aus Steinen. Der zentrale Hügel wird oft von einem grossen senkrecht stehenden Felsblock markiert.
    Neuzeitliche Untersuchungen stellen dies in Frage – ob sie wirklich nomadische Kultur aus der Bronzezeit darstellen, und auch ihre Funktion bleibt ungewiss - stehen sie für Grabdenkmale, Ritualplätze oder für Orte für andere Feierlichkeiten.

  • (2) Hirschsteine - Eine Anzahl von Hirschdarstellungen auf Steinen unterscheidet sich von solchen in zentral-mongolischen Arten: sie haben sehr lange Körper und Beine in der Laufbewegung und sind nicht gewellt. Sie besitzen kleinere Augen. Es sind keine Riemen oder Werkzeuge zu bemerken und auch keine Darstellungen von Sonnenscheiben oder kleinen Mondgestalten. Der Rillenring ist nur an obersten Positionen an solchen Steinen angebracht. Hirschsteine stammen wahrscheinlich aus der Afanassiewo-Kultur vor etwa 3500 bis 2500 v. Chr.
    - siehe Skizze Hovsgol Aimag und Mongolei Altai

  • (3) Turkstein – menschliche Figur „Balbal“ - Turkische Grabsteine vor der mongolischen Zeit und ähnliche eiförmige Steine können heidnische Denkmäler nach dem Tod von Stammesfürsten darstellen. Solche Darstellungen wurden nie als Grabsteine verwendet, da der Körper Verstorbener zu dieser Zeit verbrannt und die Asche dem Wind überlassen wurde. Steinskulpturen sollten an diese Gesichter oder geistigen Eigenschaften erinnern. Siedler aus dieser Zeit haben angenommen, dass der Körper eines Menschen aus Erde und Stein entstand und nun der Körper wieder der Erde und dem Stein zugeführt werden muss. Nach ihren Vorstellungen werden nach dem Tod Organe zu Stein, die aufgestellt wurden und nun Speicher solcher gelebten Menschen darstellen. Nachkommen erhielten mit deren Berührung die Lebenserinnerungen und das Wissen ihrer Vorfahren. In gewisser Weise sieht man darin eine Götzenvorstellung, aber diese Balbal waren nicht Götzenbilder und wurden nie als Vorbilder von Verstorbenen benutzt. Sie waren vielmehr ein Tor zum spirituellen Zugang eines Ahnenkults. Die Balbal dürfen als Erinnerung von Verstorbenen in Betracht gezogen werden, von Menschen, die vor langer Zeit gelebt haben.

  • (4) Ovoo - Steinhaufen oder Tipis aus Stäben und Stöcken, die auf Pässen, an Strassenkreuzungen und an schwierigen Durchgängen und im Quellgebiet gefunden wurden, ehren einen Geist-Meister (Herrn) solcher Orte. In der Regel sind sie aus Steinen oder aus Holz gebildete Symbole in der Landschaft. Ovoos sind oft auf der Spitze der Berge und in hohen Positionen wie auf Pässen zu finden. Sie dienen vor allem als religiöse Stätte, zur Anbetung der Berge, des Himmels und des Ortsgeistmeisters. Sie werden gegenwärtig auch für buddhistische Zeremonien als heilige Stätte verwendet.

Diese heiligen Stätten und Objekte vermischen religiösen Praktiken und die Anbetung des Feuers, des Himmels, der Erde, des Wasser, Ahnenkult und Schamanismus und lassen neuzeitlich auch buddhistische Glaubensvorstellungen einfliessen. Himmlische Götter und Geister einer Unterwelt werden neben zahlreichen buddhistischen Göttern mit der animistischen Dreiweltenkosmologie für Rituale vermischt. Dabei handelt es sich um religiöse Traditionen, die von Clan-Ältesten zelebriert werden und eine Form eines Ahnenkults darstellen; buddhistische Lamas zelebrieren ebenso Verehrungsrituale. Schamanen verhandeln, ringen und überlisten solche Unterweltgeister in Ritualen. Heilige Objekte und deren Stätten repräsentieren getrennte, aber mit einander verknüpfte gottesdienstlich überlieferte Traditionen in deren Praxis – Buddhismus, Schamanismus. Anbetung eines Geistmeisters der Orte, Anrufung der Ahnen an Ovoos oder Ongons bei lokalen Steinen, Stöcken, gebauten Altaren (Steinplatten) oder Bäumen. Die Schamanenbäume, die "Shaman Trees" im Darkhat Valley, sind grosse, einsame Bäume und gelten oft als heilig, nachdem sie von einem Blitz getroffen markiert wurden. Wie bei den Burjaten, platzieren ihre Nachbarn die Asche verbrannter Schamanen in tiefen Löcher unter diesen Bäumen. Solche heilige Orte erlauben eine Kommunikation mit Opfergaben zum Geistmeister der Plätze – der Berge, dem Wald, der Pässe, Flüsse, Seen und zu Verstorbenen. Hilfe wird über solche Seelengeister gesucht sowie deren Besänftigung mithilfe von Ritualen erwirkt, zum Schutz der Herden, um Fruchtbarkeit, Gesundheit und Wohlstand der Kommune zu sichern. Solche Traditionen werden heute noch gelebt und von Schamanen zelebriert, neuzeitlich auch von Mönchen (Lamas). Zeremonien an Geistmeister der Region, des Himmels an deren Ovoo oder Ongons dürfen nur von Clanältesten oder Priestern durchgeführt werden.
Im Gegensatz zu den buddhistischen Traditionen und den im Darkhat Valley mit Herden von Schafen, Ziegen und Kühe Lebenden, die auch mit Jagen und Sammeln ihren Lebensunterhalt bestritten, sind die
Dukha Rentier-Hirten (auch Tsaatan genannt – 1). Sie sind stark mit den Uriankhai (Tuvastämmen) und deren schamanischen Praktiken verbunden. Die erste Handlung ihrer Führer, wenn sie an den ihnen heiligen Plätzen ankommen, besteht darin, solche Reinigungen auszuführen und Stücke, die umgefallen sind, wieder aufzustellen. Rituale werden mit Milch und Käse, Weihrauch mit Wachholder (Juniper) oder anderen aromatischen Kräutern, mit verknüpften Streifen aus weissem Baumwolltuch an Objekten praktiziert. Milch wird gegen den Himmel geworfen mit einem Tsatsal - einem traditionellen Kochlöffel - und dabei nennen sie die Namen zahlreicher Orte, Berge und Flüsse und drehen sich im Uhrzeigersinn. Mehrere 5 cm breite Streifen aus Baumwolle werden nun an jeden der Stöcke gebunden, und kleine Käsestücke werden um diese Altäre gelegt. Als letztes Ritual wird Weihrauch auf die Altare geblasen, um eine Reinigung mit Rauch zu vollziehen. Die Zeremonien werden von Clanältesten oder von Priestern geleitet, die den Geist des Meisters Kharmai um Schutz für die jüngeren Führer und Familienmitglieder bitten. Auch die Anbetung des Geistmeister und der Tiere wird vollzogen. Neben dem Schutz für Clanmitglieder, bitten sie auch an Ovoos um Schutz und Glück für die Jagd.
Wichtige Ongons, wo solche Geister, Seelen von Menschen oder verstorbene Schamanen wohnen, sind Objekte, z.B. eine aus Holz geschnitzte Figur. Diese Figuren, in denen Seelen wohnen, werden dekoriert und mit Milch oder Fett behandelt. Sie bekommen einen Platz in den Behausungen, mit der Bitte um Beschwichtigung und Zähmung anderer Geistseelen. Gewisse Seelen gelten als gefährlich und können nur mit starken Hilfsgeister unter Kontrolle gehalten werden. Sie versuchen, ihre Familien, besonders die Kinder, in die Unterwelt zu locken, um ein paralleles Leben zu schaffen. Freigesetzte Geister von Verstorbenen sind bereit für eine Wiedergeburt unter Kontrolle eines Geistmeisters.
Mit Ongons ehren Familien die Seelen verstorbener Vorfahren und bitten diese um Schutz vor feindlichen Geistern, auch mit schamanischer Magie halten sie diese Seelen der Familienangehörigen bei guter Laune. Solche Ongons werden von Schamanen hergestellt und auch für heilende Zeremonien verwendet, indem die krank machenden Geister darin verbannt werden. Ovoos und Ongons dienen der Anbetung und für Zeremonien, sie sind heilige Stätte und Objekte. Sie dienen der Verehrung von Geistmeistern solcher Orte oder gejagter Tiere, oder verstorbener Vorfahren (
Ahnenkult). Sie bitten die Geister, die in den Objekten wohnen, um Schutz und Glück. Spezielle Helfer (Hilfsgeister) zu bestimmten Tagen oder zu Tagesaktivitäten werden gerufen. Diese Praktiken mit Anbetung integrieren verschiedene gottesdienstliche Traditionen - Buddhismus, Schamanismus des Darkhat Valley oder Dukha-Schamanismus - sie haben viele Gemeinsamkeiten mit dem alten Glauben und den Seelenreisen zwischen den Welten, einer gegenwärtigen, irdischen Welt, einer Himmelswelt, und einer Unterwelt, deren Kontrolle mit Hilfe von Geistmeistern angestrebt wird.

  • (1) Die Tsaatan oder Dukha sind ein Volk von Rentierzüchtern und leben in den Wäldern in der Nähe des Sees Khovsgol und an der Quelle des Jenissei, nördlich der Mongolei zur Grenze Russlands und Tuvas. "Tsaa" bedeutet "Rentier" in Tsaatan: "diejenige, die mit den Rentieren leben", der Name ist eigentlich mongolisch; sie selbst nennen sich lieber "Volk der Taiga". Sie gehören heute wie die Tuwiner dem turk-sprechenden Volk im Altai an. Die Rentiere sind Quelle für Nahrung, Kleidung und Währung. Die Tsaatan setzten ihr Nomadenleben in den 1990er Jahren wieder durch und blieben mehrheitlich dem Animismus treu; sie haben eigene Schamanen.
- weitere Informationen zum Schamanismus: Religion der Urvölker Sibiriens
- weitere Informationen zum Schamanismus: Schmanisums (Tengerismus) in der Mongolei
- siehe mehr Informationen unter:
Oiraten, Urianchai und Tuwiner

Tuwa
Ein turksprachiges Volk, die das obere Jenissej-Becken besiedeln und stark von der burjatischen Kultur geprägt wurden. Sie sind noch traditionelle Jäger und Viehzüchter (Schafe, Kühe, Pferde und Yaks), stammen ursprünglich aus dem Raum der heutigen Nord-Mongolei und pflegen den buddhistischen Glauben und den Schamanismus.
Im 18./19.Jh. war Tuwa noch ein Teil des Chinesischen Reiches. 1921 - 1944 wurde es unabhängige Republik. Viele leben auch in der heutigen Äusseren Mongolei.
Die
Sojonen sind ein Volk, das von der russischen Grenze aus südlich das Gebiet am Chemtschik Fluss, einen Nebenfluss des Jenissei, und den Rand des Kara Köl (Schwarzen See) besiedelte. Sie nannten sich selbst Tuwa, Tuwa-Kizhi. An ihrer Spitze stand ein Zaisan. Über diesem steht ein Sojonenfürst, der Münkö. Sie sind Nomaden und treiben ausschliesslich Viehzucht. Ihr grösster Reichtum bestand aus Rindvieh; Schaf- und Ziegenherden waren unbedeutender, am wenigsten aber besassen sie Pferde. Sie verwenden daher Ochsen sowohl zum Reiten wie auch zum Transport von Lasten. Diese Menschen betrieben Ackerbau nur äusserst gering, und ihre einzige Aussaat war Gerste. Dagegen war die Jagd eine Lieblingsbeschäftigung; sie sind als vortreffliche Jäger bekannt. Sie zogen wie ihre Nachbarn, die Telengiten (auch Dwojedaner genannt, die an der Tsshuja (Chuja) siedeln), in Gemeinschaften auf Jagdzüge aus und streifen dann ebenso wie diese wochenlang in den unwirtsamen Gebirgen umher, im Sommer zu Pferde, im Winter auf Schneeschuhen. Auch sie errichten, wie ihre Nachbarn, die Tölös im Altai (Tölös-Volk auch als Tscholyschman-Bewohner bezeichnet), die südlich vom Teletzkischen See (Altyn Köl - Golden Lake) siedeln, an vielen Orten Hütten aus Zweigen, die im Winter zum Übernachten von Jägern benutzt wurden. Die Speisen im Sommer waren hauptsächlich Milch, auch Kumys (Stutenmilch), welche als Quark, Käse und Milchbranntwein genossen wird. Fleisch, auch von Wild (sie jagten das Wild auch im Sommer, was die Altaier nicht taten), wurde verzehrt. Pferde und Ochsen, die man zum Reiten oder zum Lasttragen benutzt, wurden nicht geschlachtet. Die Sojonen beschäftigten sich auch mit dem Ausgraben von Wurzeln und genossen Kandyk, Lilienwurzeln, Kalba (allium ursinum) und wilde Rettiche, von denen sie grosse Vorräte für den Winter einsammelten. Sie bewohnten Filzjurten wie ihre Nachbarn, die Altaier und Dwojedaner. Auch die innere Einrichtung der Jurten war im Grossen und Ganzen dieselbe, nur sind hier anstatt von Ledersäcken an den Wänden chinesische Kästen aus Holz aufgestapelt und der Fussboden ist bei Reichen mit Teppichen belegt. Die Kleidung war bei den Männern sehr einfach und bestand aus kurzen ledernen Beinkleidern, Stiefeln und Pelz. Nur Reiche trugen Hemden und Röcke aus Baumwolle. Auf dem Kopfe, den sie wie die Altaier scheren, trugen sie mongolische Mützen, die mit Lammfell besetzt waren. Frauen trugen lange Kleider aus Baumwolle oder Pelz. Das Haar war wie bei altaischen Frauen mit zwei Zöpfen, nur hängten sie an diese keinerlei Schmuck, wie das bei den Chakassen üblich war. Ihre Religion war der Schamanismus, wie bei ihren altaischen Nachbarn; weiter östlich hat allgemein der Buddhismus Eingang gefunden. Der Glaube an das Bannen der Witterung war bei allen Völkern im Altai, so auch bei den Sojonen, verbreitet. Es gibt gewisse Familien, bei denen sich diese Kräfte von dem Vater auf den Sohn vererbten. Einige dieser Wettervorhersager waren berühmt, und man sagt, dass es Menschen gab, die das Wetter so beherrschten, dass die Sonne dir ins Gesicht scheint und zugleich der Regen den Rücken durchnässt. Zur Vorhersage des Wetters bediente man sich eines Wettersteines (Jada tasch). Ihre Sprache ist ebenfalls ein Turkdialekt, weicht aber von den Dialekten der Altaier ab, sodass Sojonen und Altaier sich nur mit Mühe verständigen konnten. Es ist anzunehmen, dass die Mongolisierung der Sojonen allmählich so weit griff, dass die sojonische Sprache verloren ging. Noch besitzen sie ein reichhaltiges Repertoire an Liedern. Ihre mongolischen Nachbarn haben in Sitten und Sprache einen weit stärkeren Einfluss auf sie ausgeübt als auf die Altaier. Ihre Toten wurden auf ein Gerüst von Stangen gelegt und mit ihren Kleidungsstücken bedeckt. Diese waren solchen Opferstellen der Altaier sehr ähnlich, mit vier starken Stangen errichtet. Neben dem Toten lagen sein Zaumzeug, Sattel und Steigbügel. Die Sojonen, die am Kemtschik Fluss siedelten, bilden zwei Stämme: die schwarzen Sojonen ((Kara-Sojong) und die gelben Sojonen (Sary-Sojong); die Schwarzen haben in der Nähe an Flüssen gewohnt, die Gelben aber weiter landeinwärts in Steppen. Ihre Grösse war bedeutender als die der Altaier, ihre Gesichter weisen eine länglichere Form auf. Der Stamm der Sary-Sojong war zahlreicher. Die Schwarzen sollen sich mit den Kirgisen vermischt haben. Die Sojonen siedelten ursprünglich am Ufer des Oka, einem Nebenfluss des Angara, der im Sajan-Gebirge im Westen Buriatiens entspringt.

Wilhelm Radloff, der zwischen 1859 und 1870 die Region Altai-Sajan ausgiebig bereiste, berichtet in Aufzeichnungen aus dem Jahre 1861 über die Sojonen (Soyon = Tuwiner), von Menschen, die am Kara Köl siedeln, was in der heutigen Provinz Tajga Bay im Nordwesten von Tuwa zu finden ist.

Chakassen
Sie leben nördlich der Republik Tuwa. Es sind Nomaden turkischer Abstammung, die sich mit einer samojedischen Urbevölkerung vermischt haben. Schamanismus ist heute noch ihre wichtigste Religion.
- siehe mehr Informationen unter:
- Chakassien und die Chakassen
- Kirgisen

Altaier (Teleuten, Telengit, Schoren usw.)
- ein turksprachiges, ethnisch gemischtes Volk
  • L.P. Potapov (1905-2001) wurde im Altai geboren und begann seine akademische Laufbahn als Schützling von Anokhin im Jahr 1924. In den späten 1930er Jahren wurde er einer der einflussreichsten Figuren in der sowjetischen Anthropologie und Ethnographie. Sein Spezialgebiet war Sibirien, vor allem die turkischen Gruppen im südlichen Sibirien, einschliesslich der Altaier. Ab 1948 war er Direktor des Leningrader Instituts für Anthropologie und Ethnographie und de-facto Kenner der "sowjetischen Anthropologie“. Schriften von L.P. Potapov enthalten auch Aufzeichnungen von Anokhin.
Der Abschnitt basiert auf Rekonstruktionen von historischen Traditionen der Turken und Mongolen, archäologischen Daten, die in Kurganen gefunden wurden, alten turkischen Inschriften auf Steinstelen, chinesischen Chroniken, geschrieben in turkischen Quellen, wie Schriften von Irq Bitiq, “The Book of Divination” aus dem 10. Jahrhundert, das in Dunhuang (einer alte Oasenstadt an der Seidenstrasse in der Provinz Gansu im Westen Chinas) gefunden wurden, und Notizen ausländischer turkischer und mongolischer Besucher.

Während der Pazyryk-Kultur vom 6. bis 2. Jahrhundert v. Chr. wird die Symbolik einer kreuzförmigen Rosette überliefert, die das Weltall oder die Sonne darstellt. Diese Kultur wird einem europiden Menschentypus, den Ugriern, zugeordnet, die vom Ural aus nach Norden in die südliche Waldsteppe vorgedrungen sind. Erkennbar ist dies auch an den gefundenen skythischen Bronzegeräten, die Opferriten dienten. Hier wurden die Stämme turkisiert oder von Reitervölkern nach Westen mitgerissen. Ein Teil dieser Waldtataren hielt sich weiterhin im Altaivorland auf. Jedoch war diese westsibirische Bevölkerung weitgehend turkischer Abstammung, und die turkisch-ugrischen Herrscher hinterliessen in Grabinschriften eine altturkische Runenschrift. Ähnliche Runen findet man auch in Bulgarien.

Vom heutigen Xingjiang China bis zur Donau siedelten im 1. ]ahrtausend n. Chr. nomadisierenden Stämme. In Zentralasien im Altai und in der Mongolei entstanden Khaganate mit einer turkischen Oberschicht. Ein Kontakt von Turkstämmen mit den Mohe-Stämmen am Amur bestand zu jener Zeit. Sie hinterlassen Darstellungen von Felszeichnungen aus jener Zeit, wie auch einige Kultgegenstände und Gebräuche erkennen lassen, sowie auch Schmuck und Kleidung. Der Einfluss dieser gemischten turk-mongolischen Völker, die in diesem sibirischen Raum siedelten, war grösser als man bisher angenommen hatte.

Die Telengit (Dwojedaner) waren lange chinesische Untertanen und zahlten den Chinesen die Abgaben im Februar. Sie blieben in ihrer Verwaltung lange selbständig. Ihre Führer, die Zaisane (Temitschi oder Schülöngü), waren dennoch den Russen gegenüber verpflichtet, einen Kalan zu zahlen. 1865 wurden die Telengit (Dwojedaner) zu russischen Untertanen und vor die Alternative gestellt, entweder das Land zu verlassen oder die russische Vorherrschaft anzuerkennen. Sie siedelten vorwiegend in den Flussgebieten der Tschuja, und ihr Name Dwojedaner hat die Wortbedeutung „doppel zinspflichtig“, weil sie sowohl an China als auch an Russland Steuern zahlen mussten. Zudem werden die Tscholyschman-Bewohner auch als Tölös-Volk und die Baschkaus-Bewohner als Ulan-Volk bezeichnet. Die erstere Bezeichnung ist sehr verständlich, da diese südlich vom Teletzkischen See (Altyn Köl - Golden Lake) seit altersher das Volk der Tölössen bildeten, die von den Dwojedanern abstammen.
Die
Waldtataren, auch Schwarzwald-Tataren, am Kemtschik Fluss und die Urjanchai der Mongolen werden von den Russen Tschernevi-Tatari genannt, die sich selbst aber Tuva-Kizhi, auch Jisch-Kizhi, d.h. Waldmenschen, nannten. Sie leben ebenfalls im Waldgebirge zwischen dem Fluss Katun und dem Teletzkischen See (Altyn Köl - Golden Lake) als Halbnomaden, der Ackerbau wird von ihnen nur schwach betrieben. Sie beschäftigen sich zumeist mit Jagd und dem Sammeln der Zedernnüsse. Sie stammen ursprünglich aus dem Osten und haben sich mit den Nachbarn, den Altaiern, vermischt. Die Mehrheit bekennt sich zum Schamanismus.
Schoren (auch Bergschoren, Schortzen, Kondomzen, Kumaudintzen oder Kumandi-kizhi genannt) siedelten sich zwischen dem Altai und dem Sajangebirge entlang dem Kondoma Fluss an dessen Ufer an und waren zumeist sesshaft und lebten von Jagd und Fischfang.

- siehe mehr Informationen unter: Die Altaier - ein turksprachiges, ethnisch gemischtes Volk
- siehe Informationen unter:
Bevölkerung im Altai - turksprachiges, ethnisch gemischtes Volk ab dem 6. Jahrhundert – Auszug aus „Acta Slavica* von Andrei Znamenski – in Arbeit

Burchanismus
Ak Jang – Ak (weiss = auf eine Zeremonie mit Kumys Trinken bezogen (gegorene Stutenmilch)) – Jang bedeutete nicht nur Glaube, sondern umfasste eine gesellschaftliche Verhaltensregel. Dies kann durchaus als eine Art politisches System betrachtet werden (Widerstand). Ak ist auch eine alt-turkische Bezeichnung für „Yang“ aus dem Chinesischen Universismus und „Kara“ für „Yin“. Im Ak Jang wird die Lehre des Sterbens zelebriert, beruhend auf dem Gesetz „Yang“ und über die Lehre von „Yin“ gestellt.

Diese Glaubensvorstellung hat Nikolas Roerich (1874-1947) stark beeinflusst. Er war eigentlich Buddhist und widmete sich dem Burchanismus. Bekannt ist sein Bild vom Oirot-Bote, dem "Weissen Burchan". Der Burchanismus, der jetzt noch in Altai existiert, ist nicht der gleiche wie jener Chet Chelpan von 1904. "Tengrianstvo" - eine neue "Tradition" - entstand, die ihre Anhänger sowohl in Gorno-Altaisk als auch in grösseren ländlichen Zentren haben. Dies ist der Inspiration der Frau von Nicholas Roerich zu verdanken ist, Elena, deren mediale oder Kanalisierungsfähigkeiten bekannt waren; diese führten zu spektakulären Formen eines Agni-Yoga, einem Trend zur Neuinterpretation eines Ak Jang.

Missionare nutzten die Verwendung von Kräuterrauch in Ritualen zur Verehrung der Sonne und des Mondes im Sinne des Burchanismus. Chet nutzte ursprünglich auch Elemente aus dem Buddhismus. Seine Schüler haben später in spirituellen Praktiken auch schamanistische Traditionen eingebaut. In vielerlei Hinsicht haben sie sich mit Elementen der buddhistischen Symbolik und alten schamanischen Traditionen eine grössere spirituelle Wirksamkeit erhofft und innerhalb der Altaiwelt umgesetzt, vorab in einer ersten Phase dieser radikalen Bewegung. Man muss auch beachten, dass der tibetische Buddhismus in der Altaiwelt nie richtig Boden gefunden hat, wie dies etwa in der benachbarten Mongolei oder in Tuwa der Fall war.
In Gebet haben sie ihren höchsten Himmelsgott, "
Bulan-Tokoi" (war einst Hauptstadt im Dschungarenreich), in "Tokio" umgewandelt. Auch andere Gebete hatten plötzlich Bezug zu „Japan" oder enthielten „anti-russische“ Passagen. Der "Yapon-khan" ist eigentlich ein missverstandener Name, wie Rigden Gyapo (Japo) - der Titel des Shambala König und/oder Maitreya. Frauen wie auch Männer waren yarlykchi (Boten). Einige wurden zu Ak Jang Priestern, nachdem sie ähnliche Zustände durchlaufen haben wie dies bei Berufungen zum „Schamanen“ bekannt war. Nach 1906 gewann der Ak Jang weiter an Popularität mit einem Pantheon gemischt mit alten, traditionellen Gottheiten, vor allem Jajyk (Jajyk = Gott aus der frühen turk-mongolischen Tradition) - ein formloser Gott, der als Bote zwischen Himmel – den Göttern - und dem Menschen vermittelt. Darunter haben auch Vorstellungen und Praktiken aus dem Schamanismus oder Buddhismus Platz gefunden. Diese alltäglichen Themen und Bilder eines „goldenen Altai“, der besungen wurde und dem man mit Ritualen gehuldigt hatte: weisse Stutenmilch, weisse Berge, Birkenwälder, geliebte Heimat. Der gute Führer (Kriegerheld), der den Menschen die Freiheit zurückbringen wird. Vertreter der guten und böse Mächte, wie Ul'gen (Schöpfer) und Erlik (Herrscher der Unterwelt), sind mit dem Burchanismus verschwunden und wurden durch den universellen Gott "Burchan" ersetzt (siehe Zeichnung von Roerich - White Burkhan).
  • Nicholas Roerich - ein berühmter russischer Okkultist und Künstler, der "Agni-Yoga" gefördert hatte - eine Mischung aus buddhistischen (zumeist erfundenen), "esoterischen", gemischten christlichen und spiritualistischen Elementen, die der Theosophie (Göttliche Weisheit) ähnelte. Der zentrale Punkt dieser Lehre war die "Suche nach Shambhala." Er und seine Frau Elena Roerich, die ein gefeiertes Medium war, produzierten eine Reihe von "Shambhala-Prophezeiungen", die in den späten 1920ern sehr populär geworden sind. Roerich und seine Frau reisten durch den Altai, wie dies in Roerichs Buch, "The Heart of Asia", aufgezeichnet wurde.
  • A.V. Anokhin (†1931) lebte vom 1910 bis 1931 im Altai. Während seiner Tätigkeit als Musiklehrer in Ulala (Gorno-Altaisk) hat er aktiv Folklore, Musik und Religion der Altaier untersucht. Sein Werk, Materialy po Shamanstvu u Altaitsev, das in Leningrad im Jahre 1924 veröffentlicht wurde, bleibt eine vollständige und detaillierte Darstellung des Altai-Schamanismus. Anokhin studierte auch „Ak Jang“ von 1910 bis 1930 und war in der Lage, dessen Entwicklungen zu beobachten. Das Manuskript ist Eigentum des Archivs des Instituts für Altaic Studies in Gorno-Altaisk. - „Ak Jang“ ist entstanden, um Schamanismus zu ersetzen oder zu ergänzen. Er versucht, beide Überlieferungen der Sonnenanbetung nach verschiedenen evolutionären Theorien der Religionswissenschaft des 19. Jahrhunderts zu verbinden.

Die Arbeit von A.G. Danilin bleibt die einzige veröffentlichte Quelle, die sich sowohl mit der Theologie als auch der Praxis des „Ak Jang“ im Detail beschäftigte. Danilin erwähnt Manuskripte von A.V. Anokhin.

- siehe mehr Informationen zum Burchanismus

Jakuten
Zweitstärkste Bevölkerungsgruppe, die einst am oberen Jenissei siedelte und im 9. Jahrhundert in die Baikalregion abwanderte. Sie wurden dann aber von eindringenden Stämmen in die Steppeninseln der mittleren Lena verdrängt. Sie haben sich mit den einst dorthin verdrängten Ewenken (Tungusen) zum Teil vermischt. Die Jakuten sind Nachfahren von Turkstämmen, die einst in den Altai eingewandert waren, und weisen eine reichhaltige eigenständige Kultur auf. So brachten sie die Töpferei und die Schmiedekunst in den Norden mit. Sie lebten ausschliesslich von der Rinder- und Pferdezucht.

Mit dem Vorstoss russischer Kosakentruppen Ende des 18. Jahrhunderts flüchteten kleinere Gruppen weiter nach Norden und siedeln heute an den Flüssen Kolyma, Indigirka und Alaseja. Diese Gebiete stellen heute das nördlichste Verbreitungsgebiet von Turkvölker dar. Ihre ursprünglicher Lebensform waren Pferdezucht und Nomadentum. Jakutische Pferde sind winterbeständig.
Mit dem Einzug der Russen wurden auch Ackerbau und Viehzucht gefördert, die aber wegen der Notwendigkeit einer Heuwirtschaft und des Baus von Winterstallungen zu aufwändig wurden. Man lebte in Einraum-Blockhäusern, die mit einem Erddach versehen sind und aussen zur Wärmeisolierung mit Dung oder Lehm gedeckt wurden. Diese Bauweise findet man heute noch bei Ställen.
Die jakutische Kultur kennt sowohl südliche Steppentradition wie die Verarbeitung von Kumys (Stutenmilch) als auch nördliche Taigatraditionen wie die Rentierzucht. Die Jakuten bilden eine selbstbewusste Volksgruppe, sind noch wenig russifiziert, pflegen ihre eigene Sprache und ihre eigene Tradition in Literatur, Theater und Musik.
- siehe mehr Informationen unter: Mandschu, Tungusen (Ewenken)
- siehe mehr Informationen unter: Jakuten – see: map sketch

© Albi – März 2014 – lektoriert von Hermelinde Steiner - Dezember 2014
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